Mittwoch, 15. Juni 2016

Weltbester Rhabarberkuchen vom Blech nach altem Familienrezept

"Ich hab' Rhabarberkuchen gebacken, bring' ich vorbei!" - wenn Schwiegermutter das im Frühsommer verkündete, war die Freude immer groß. Da die Blech-Portion aber auch an den Schwager und die Neffen verteilt wurde, war sie bei uns immer zu schnell weg. Und wenn das Kind schon mal Gemüse isst. Hah... Also um das Rezept gebeten:


Süß, oder? Tausendmal kopiert und von irgendeiner Oma mal in die Schreibmaschine gehackt. Ich hab beim ersten Versuch mal wieder gemerkt, dass es verschiedene Blechgrößen abhängig von der Backofengröße gibt. Also habe ich das Rezept etwas gestreckt.

Für ein großes Blech braucht man also:


  • 260 g Mehl
  • 90 g Speisestärke
  • 1 gehäufter TL Backpulver
  • 200 g Butter
  • 160 g Zucker
  • 5 Eigelb
  • 1 EL Milch (oder mehr, der Teig soll fest sein, falls zu fest etwas mehr Milch zugeben)

Backofen auf 180 Grad (Umluft) vorheizen.

Einen Mürbeteig daraus herstellen:


Butter und Zucker schaumig rühren, Eigelbe zugeben, Mehl-Gustin-Mischung plus Backpulver unterrühren, ggf. mit etwas Milch geschmeidig machen. Auf einem Bogen Backpapier dünn ausrollen und auf das Backblech heben.

800 g Rhabarber putzen und in kleine Stücke schneiden, auf demTeig verteilen, mit einer Lage Backpapier abdecken und 20 Min. backen.



Inzwischen den Eischnee herstellen: die 5 Eiweiße steif schlagen und 150 g Zucker und eine Packung Vanillezucker unterrühren. Das Baiser auf dem Kuchen verteilen und nochmal (nicht zugedeckt) 10 Min. backen, fertig.



Ganz frisch schmeckt er noch noch nicht, er muss erst ziehen, am besten im Kühlschrank über Nacht!

Bon appétit!

Donnerstag, 9. Juni 2016

Zwei tolle Bücher und ich bei Shopping Queen!

Zwei Bücher, die mein Leben sehr bereichert haben und es immer noch tun, will ich euch nicht vorenthalten: zum einen "Hausbesuche. Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte" von Stephanie Quitterer (Knaus) und "Sugar Girls. 20 Frauen und ihr Traum vom eigenen Café von Jana Henschel, Ulrike Schacht und Meike Werkmeister (Callwey). Die Berliner Kiez-Ethnologin Stephanie Quitterer ist geborene Niederbayerin, lebte in Rio de Janeiro, Kairo und München, sie war unter anderem Regieassistentin am Deutschen Theater in Berlin. 2011 nutzte sie ihre Elternzeit, um ihre Nachbarn kennzulernen. Das heißt, sie buck jeden Tag einen Kuchen, packte Zutaten für ein Kaffepause ein und klingelte einfach an fremden Wohnungstüren: "Auf einen Einlass kommen im Schnitt 12 Nichtzuhauses und 5 Neins. Leider kann ich keine genauen Angaben zu den Leuten machen, die mich nicht einlassen - da sie mich nicht einlassen." Was sie dabei alles erlebte, ist super lustig, manchmal traurig, immer unterhaltsam und erhellend. Und es macht Lust, so etwas auch einmal auszuprobieren. Quitterer fühlte sich beim Kinderwagenschieben einsam, außerdem hatte sie das ständige Jammern darüber, wie sehr sich ihr Viertel verändert habe, satt. Wer waren diese Menschen, die Tür an Tür mit ihr wohnten, beziehungsweise in ihrer Straße? Der Kindsvater macht sich Sorgen und glaubt nicht an das Projekt, also beginnt sie einen Blog. Und hat am ersten Tag schon Erfolg: eine Italienerin macht ihr auf und sie kommen ins Gespräch. Angereichert ist das Ganz noch mit verschiedenen Kuchenrezepten und amüsanten Partner-Dialogen. Spannend wie ein Roman!
Ich verlose ein Exemplar, bei Interesse schreibt bitte einen kleinen Kommentar und sendet mir eure Adresse an ugaisa@aol.com

Geht es euch auch so, dass ihr euren Bürojob mal so richtig satt habt und am liebsten mit der besten Freundin ein eigenes Café aufmachen würdet? Also mir in regelmäßigen Abständen. Da kam mir dieses Buch gerade recht: 20 Frauen, die diesen Traum realisiert haben. Herrlich. Da gibt es in Wien die ehemalige Stewardess Kirsten, die kalifornisches Flair in die österreichische Hauptstadt bringt, die Berlinerin Anne, die in Kreuzberg nicht nur leckere Kuchen, sondern auch "handverlesene Wohnwaren" in Flohmarktatmosphäre verkauft oder die ehemalige Augenoptikerin Sandra, die das an Skandinavien erinnernde Café "roestbar" in Münster betreibt. Die drei Autorinnen belassen es aber nicht bei schönen Fotos und anregenden Texten, das optisch sehr ansprechend Buch wartet auch mit Deko-Tipps zum Nachmachen auf und mit jeder Menge originellen Kuchenrezepten, die wirklich Lust auf's Backen machen. Und wer weiß, vielleicht trauen wir uns nach der Lektüre dann doch noch selber? Diese Frauen waren mutig, erfindungsreich und schließlich auch erfolgreich...





Und dann gibt es noch tolle Neuigkeiten: ich war dabei bei Shopping Queen in Regensburg und habe dabei vier tolle, lustige Frauen kennengelernt. Unser Motto lautete: "Happy Feet - bringe deine neuen Sommerschuhe mit perfekt lackierten Nägeln ganz groß raus!" Ausstrahlung ist vom 27. Juni bis 1. Juli 2016 täglich auf Vox von 15 bis 16 Uhr, mein Tag ist der Donnerstag. Wie es wirklich war, erfahrt Ihr nach der Ausstrahlung an dieser Stelle! Also dran bleiben...


Freitag, 22. April 2016

Ein Buch, ein Rezept, ein Film: Katie Marsh, Zitronen-Tarte und "Mein ein, mein alles"

Hallo, da bin ich wieder mal... Der April war bisher sehr turbulent - warum, das darf ich noch nicht verraten, aber bald... Dafür gibt's heute gleich drei Tipps für euch - als Erstes stelle ich einen schönen Schmöker für's Wochenende oder den nächsten Urlaub vor:

Katie Marsh: Die Liebe ist ein schlechter Verlierer (Diana)

 

Hannah hat einen Traum, den sie eigentlich schon aufgegeben hat, doch jetzt will sie ihren Mann Tom verlassen, eine Ehe, die keine mehr ist, und für ein Hilfsprojekt in Afrika arbeiten. Hannah ist Lehrerin und versteht sich überhaupt nicht mit der neuen Schulleiterin, die ihr andauernd Extraarbeiten aufnötigt, die sie eigentlich selber erledigen müsste. Sie hat ihre große Liebe Tom geheiratet, der ist Anwalt und ein absoluter Workaholic. Für seine Karriere tut er alles, für Hannah nichts mehr. Just an dem Tag, als sie endlich allen Mut zusammen genommen hat und ihm sagen will, dass sie ihn verlassen und nach Afrika gehen wird, erleidet Tom einen schweren Schlaganfall und ist erst Mal einseitig gelähmt. Die Zeit steht still... Und das mit dem Mann-Verlassen erst einmal ad acta.
Was ein bisschen simpel klingt, ist sehr schön erzählt. Die Autorin Katie Marsh hat viele Jahre mit Schlaganfall-Patienten gearbeitet, das merkt man. Und dann sind da noch die lebenslustige Freundin Steph und Toms kleine Schwester Julie, die ihr Leben so gar nicht im Griff hat und jetzt einziehen will, um Toms Genesung zu begleiten. Wird Tom wieder der Alte? Wird er sich durch die Krankheit verändern? Wird Hannah doch noch weg von der verhassten Schule kommen? Lesen...

 

Ein Rezept: Zitronen-Tarte

 

Das braucht man (für eine Tarteform Ø 26 cm)


Mürbteig:
250 g Mehl (Vollkorn- oder Weißmehl)
90 g Rohr-Zucker
125 g Butter
1 Prise Salz
1 Ei

Zitronencrème:
150 g Butter
2 Bio Zitronen
3 Eier
150 g Rohr-Zucker
100 g gemahlene Mandeln

Deko:
1 Bio Zitronen
4 EL Zucker


Und so geht's:

  1. Mürbeteig: alle Zutaten zunächst zu einem glatten Teig verkneten. In Frischhaltefolie gewickelt für 1 Stunde im Kühlschrank kaltstellen.
  2. Für die Zitronencreme: Zitronen heiß abspülen und trocken tupfen. Von 2 Zitronen die Schale fein abreiben und den Fruchtsaft auspressen. Butter zerlassen. Eier und 150 g Zucker schaumig rühren. 1/4 des Zitronensafts und die Zitronenschale dazugeben, schaumig rühren. Die flüssige Butter unter Rühren langsam dazugeben. Mandeln und restlichen Zitronensaft untermischen. 
  3. Den Backofen auf 220 Grad, Umluft 180 Grad, Gas Stufe 4 vorheizen. Eine Tarteform einfetten. Teig auf wenig Mehl etwas größer als die Form ausrollen, Teig in die Form legen und dabei einen etwa 2 cm hohen Rand formen. Zitronencreme auf den Teigboden gießen und die Tarte ca. 40–45 Minuten auf der unteren Schiene backen. Tarte abkühlen lassen. 
  4. Deko: Dritte Zitrone in dünne Scheiben schneiden. 6 EL Wasser und Zucker aufkochen. Zitronenscheiben hineingeben und 5 Minuten kochen lassen. Zitronenscheiben auf einen Teller legen und den Sud sirupartig einkochen lassen. Die Tarte vorsichtig mit dem Sirup bestreichen und die Zitronenscheiben darauf verteilen.

Bon appétit!

Und dann war ich noch im Kino: unbedingt anschauen oder auf DVD ausleihen!





Dienstag, 8. März 2016

Pasta & Sauce aus 1 Topf: ein neues Kochbuch - ein Rezept

Ob das funktioniert, habe ich sofort gedacht, als mir dieses neue Buch in die Hände fiel: Pasta und alle weiteren Zutaten in einen Topf, Wasser dazu und nach 15 Minuten ist das schnelle Gericht fertig...

Das ist jedenfalls das Konzept des neuen Bassermann-Kochbuchs von Autorin und Foodbloggerin Emilie Perrin. Der Unteritel lautet natürlich "Blitzschnelle Nudelgerichte". Das Format ist handlich, der Preis angemessen (9,99 €), und wer spülfaul ist und sich die Pfanne sparen will, ist hier auch richtig. Über den Geschmack lässt sich streiten, das unten stehende Rezept hat zwar gut geschmeckt, aber suppiger als unsere "normalen" Nudelgerichte. Außerdem sind die Anleitungen etwas spärlich. Wenn ich nicht umgerührt hätte, wäre mir das Ganze angebrannt. Nichtsdestotrotz: die Aromen verteilen sich natürlich gut, für Kochanfänger und -muffel sicher eine Option. Es gibt viele vegetarische Vorschläge (Pasta mit Cocktailtomaten und Pesto, Pasta mit Chicorée und Ziegenkäse, Pasta mit Pilzen, Räuchertofu und Lauch) und auch Exotisches "Aus aller Welt" wie "Reisnudeln mit Garnelen" oder Pasta nach Western-Art. Und hier das nachgekochte Gericht:

Pasta mit Thunfisch und Meeresalgen


(die Meeresalgen hatte ich nicht, wurden weggelassen, statt Fischbrühpulver tat es auch normales Brühpulver)

Dazu braucht man (für 2 Personen):

  • 1 Zwiebel
  • 150 g Thunfisch natur
  • 1 TL Kapern
  • 1 TL Meeresalgenmischung (getrocknet)
  • 200 Pasta, z.B. Farfalle
  • 200 ml passierte Tomaten
  • 1 TL Fischbrühpulver
  • 100 g Sahne
  • 4 EL Parmesan
  • Salz, Pfeffer

Und so geht's:

  1. Zwiebel abziehen und hacken.
  2. Zwiebel, abgetropften Thunfisch, Kapern, Algenmischung, Pasta, passierte Tomaten und Fischbrühe mit 500 ml Wasser in einen großen Topf geben.
  3. Die Mischung zum Kochen bringen, dann Hitze reduzieren und 15 Minuten garen (wenn die Pasta noch nicht al dente ist, etwas Wasser hinzufügen und einige Minuten weitergaren.)
  4. Sahne und Parmesan unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Sofort servieren.

Bon appétit!

Mittwoch, 10. Februar 2016

Dietmars Schnellrezepte: marokkanische Karotten, Steak und Pastinaken in Honig

Wie Steakbraten geht, wisst Ihr, oder? Die Rezept für die marokkanischen Karotten und die gebackenen Pastinaken in Honig stehen unter dem Bild. Danke Dietmar!


Rezept: gebackenen Pastinaken in Honig

 

Das braucht man:

(für 2 Personen als Beilage oder als kleine vegetarische Vorspeise)


  • 400 g Pastinaken
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Honig
  • 1 TL Thymianblättchen
  • EL Zitronensaft
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • Thymianblättchen zum Garnieren

Und so geht's:


  • Backofen auf 200 Grad Unter- und Oberhitze vorheizen.
  • Pastinaken schälen und längs vierteln. Öl, Honig, Zitronensaft, Thymianblättchen, Salz und Pfeffer in einer Schüssel mit den Pastinaken vermengen, alles soll gut mit der Mischung benetzt sein!
  • auf einem mit Backpapier belegten Backblech verteilen und ca. 40 Minuten weich rösten.
  • mit Thymianblättchen garniert servieren, dazu passt ein Dip aus Ziegenfrischkäse, gewürzt mit etwas Honig und Pfeffer...

Rezept: marokkanische Karotten

 

Das braucht man:

(für 2 Personen als Beilage)


  • 250 g Karotten, in Würfel geschnitten
  • 1 EL fein gehackte Petersilie
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Paprika
  • Meersalz
  • 1/2 TL gemahlener Kümmel
  • 2 Backpflaumen, klein gehackt

Und so geht's:


    • alles Zutaten in einer Schüssel vermischen, in einer Pfanne scharf anbraten und langsam fertig dünsten, bis die Karotten weich sind.

    Bon appétit!

    Donnerstag, 28. Januar 2016

    Der Januar: Frauen-Bücher, Stoner, Unschuld

    Der Januar soll der klassische Burnout-Monat sein, habe ich irgendwo mal gelesen. Meiner war eigentlich dieses Jahr ganz gut: viel gelesen, Urlaube gebucht, jeden zweiten Tag mit meinen DVDs trainiert (hah!), Salate erfunden und mal zwei Tage gefastet, das heißt genauer gesagt, die 5-2-Diät ausprobiert.

    Aber mal der Reihe nach: die Bücher

    Viel erwähnt und hoch gelobt: Stoner von John Williams (dtv): Mmh, alles in allem fand ich es sehr sehr traurig. So viel verschwendetes Leben, so vieles hat dieser Mann aus einfachsten Verhältnissen einfach so über sich ergehen lassen. Und diese Edith - seine Frau - liegt immer angeblich krank im Bett rum, er kümmert sich um alles, wirklich alles. Irgendwann erhebt sie sich, entfremdet ihm die geliebte Tochter, zerstört sein Arbeitszimmer, das sein Rückzugsort war, und er erträgt das alles stoisch. Ein paar glückliche Wochen (!) sind ihm mit seiner jungen Geliebten gegönnt, das war's. An der Uni wird er gemobbt, nur weil er integer ist... Schwerer Stoff, aber natürlich gut geschrieben und die Wiederentdeckung wert.

    Jonathan Franzen: Unschuld (Rowohlt): Seit den "Korrekturen", die ich übrigens zur Vorbereitung auf den neuen Roman mit großem Vergnügen zum zweiten oder dritten Mal gelesen hatte, bin ich absoluter Franzen-Fan. "Purity" heißt sein neuester Streich auf Englisch, was viel besser passt. Das ist auch der Name der weiblichen Protagonistin, die auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater ist. Eingebettet ist das Ganze in eine komplizierte Geschichte rund um DDR-Geschichte, Mauerfall, Internet-Gurus und vielem mehr. Franzen halt: bunt, geschichtsträchtig, übertrieben, spannend, hysterisch... An die Korrekturen kommt es aber nicht ran, zu konstruiert...

    Und warum funktioniert so eine Geschichte hier doch einigermaßen und in den meisten der so genannten "Frauen-Bücher" so gar nicht? Hab' geschmökert, ich geb's zu. Manchmal will man auch was "Leichtes" lesen, in dem man sich vielleicht wieder findet... Drei Beispiele
    Cristina Caboni: Die Rosenfrauen (blanvalet): Nicht mehr ganz junge Frau aus eine italienischen Parfüm-Dynastie, die von lauter Frauen aufgebaut wurde, wird schwer vom Leben gebeutelt. Sie erwischt ihren Verlobten mit einer anderen in flagranti, woraufhin sie meint, ihr Leben sei vorbei. Verhältnis zu Mutter ist schlecht, Vater unbekannt. Freundin Monique - elegant, lebenslustig - ist auch mit dem falschen Mann zusammen, den sie unwiderstehlich findet (Ausschnitt: "Mein Gott, wie attraktiv er war! Monique musste sich zwingen, ihn nicht zu berühren. Sie zog das Laken höher, klammerte sich daran fest, als ob es ein Rettungsanker wäre.  (...) Plötzlich aufwallende Hitze durchströmte ihren Körper und ließ sie aufstöhnen"...). O mei, sagt man in Bayern zu sowas. Klar, die Duftsache ist nett, aber kein Klischee wird ausgelassen. Am Ende findet sie natürlich den Traumprinzen und wird schwanger. Ente gut... Das Cover ist passend, vielleicht ist die Übersetzung auch nicht gut???

    Courtney Miller Santo: Das Pfirsichhaus (Heyne): Besser viel besser, obwohl es inhaltlich wieder um Ähnliches geht: nicht mehr ganz junge Frau steckt in Lebenskrise, erbt ein Haus und zieht mir ihren Cousinen, mit denen sie von Kindheit an zusammensteckt, dort ein. Es ist renovierungsbedürftig und birgt so manches Familiengeheimnis... Denn - Überraschung - auch Lizzie weiß nicht, wer ihr leiblicher Vater ist... Am Ende: Verlobung, Versöhnung, alles gut. Gut geschrieben, atmosphärisch, das Haus scheint ein Eigenleben zu haben.

    Last but not least: Kate Riordan: Im Spiegel ferner Tage (Heyne): London 1932 - die 21-jährige Alice wir ungwollt schwanger und wird auf ein Gut in Gloucestershire geschickt, damit es niemand mitbekommt und die Familienehre nicht gefährdet ist. Dort erfährt sie von dem tragischen Schicksal der ehemaligen Gutsherrin Elizabeth, und sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimme Verrat... Ein richtig langer Schmöker für dunkle Winterabende und Englandfans. Alice findet natürlich Tagebücher und fängt an zu recherchieren. Es gibt viele Parallelen zu ihrem Leben. Auch sie ist von der Mutter entfremdet... Schwangerschaftsgefühle und -stimmungen, wabernde Nebel, alter Gemäuer, Dienstboten, alles da, atmosphärischt wieder dicht und spannend.

    Montag, 18. Januar 2016

    Buchtipp: Danijela Pilics "Sommer vorm Balkan"

    Wenn es im Januar draußen bitterkalt ist und so gar nicht hell werden will, muss ich immer ganz schnell Urlaube buchen, damit ich mich freuen kann. Und es wird wohl im Sommer wieder Kroatien werden. Obwohl ich dieses Mal endlich woanders hin wollte. Aber es ist immer noch verhältnismäßig günstig, wir sind mit dem Auto in ein paar Stunden da, und das Meer ist so wunderbar... Wir sind ja kein Sandstrand-Fans, also sind die felsigen Küsten ideal.
    "Mein Leben zwischen Alpen und Adria" - so der Untertitel des Buches von Danijela Pilic, kam mir da gerade recht, um mich einzustimmen. Die Bloggerin, Journalistin und Autorin wuchs in Split auf und wanderte 1981 mit ihrer Familie, ihr Vater ist der berühmte Tennisspieler Niki Pilic, nach München aus. Wo sie erst einmal in der Schule völlig isoliert war, da sie kein Wort Deutsch gesprochen hat. Aber da sind wir schon mitten in der Erzählung, die erst einmal mit allerlei Geschichtlichem zum ehemaligen Jugoslawien aufwartet: Helden, Dichter und Politiker, die eine wichtige Rolle spielten, aber auch der typische Wind, Landschaften und Völkergruppen werden liebvoll vorgestellt. Pilic ist gemischt (Serbin/Kroatin), wie so viele andere, was in dem schrecklichen Kriegen in der 90ern, plötzlich zum Problem werden sollte. Die längst in Deutschland Beheimatete musste sich dann plötzlich Fragen stellen, wie denen, ob ihre Eltern sich jetzt scheiden lassen würden.
    Ich habe solche Konflikte am eigenen Leib mitbekommen, da in dem Restaurant, in dem ich als Studentin gejobbt habe, plötzlich Serben, Bosnier und Kroaten, die oftmals in Deutschland geboren waren und vorher friedlich miteinander gelebt hatten, ein bisschen den Boden unter den Füßen verloren. Flüchtlinge kamen an und hatten Schreckliches erlebt.
    Ich hätte mir ein bisschen mehr Einblick erhofft, worum es in diesen Auseinandersetzungen eigentlich gegangen ist, von einer absoluten "Insiderin", das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Ansonsten ist das Buch unterhaltsam, nett geschrieben - und man freut sich einmal mehr auf die Adria... (Goldmann, € 9,99, Taschenbuch)