Dienstag, 17. Februar 2015

Bücher, die das Leben verändern, Teil 1 - Cheryl Strayed: Der große Trip

Ich muss zugeben, bevor ich erfahren habe, dass dieser Film jetzt ins Kino kommt, wusste ich nichts über die amerikanische Journalistin und Schriftstellerin Cheryl Strayed - den Nachnamen hat sie sich übrigens nach ihrer Scheidung, sie hat mit 19 das erste Mal geheiratet, selbst gegeben. Er bedeutet so viel wie "abgeirrt" oder "gestreunt", und so fühlte sie sich damals, als sie zu ihrem großen Trip auf den Pacific Crest Trail aufbrach - mit einem monströsen Rucksack, den sie kaum tragen konnte und ganz allein - 1.000 Kilometer zu Fuß vor sich. Auf Englisch sind ihre Memoiren übrigens "Wild" betitelt.Ganz flux hat Goldmann jetzt auch das Cover schnell geändert und Reese Witherspoon darauf abgebildet, auf meinem Buch war nur ein Wanderschuh, aber das machen ja alle...


Tja, warum hat mich das Ganze so bewegt? Zum einen ist da eine große Sehnsucht in mir drin, auch mal auf einen solchen Trip aufzubrechen... Wie sagt eine Schweizerin, die ihr die geschundenen Füße massiert, „in Europa nennen wir das Wahlfahrt“. Oder auch Jacobsweg vielleicht? Da fand ich ja Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" auch so beeindruckend. Und nichts entspannt mich zurzeit in meinen mittleren Jahren mehr als ein Aufenthalt in der Natur - Wildnis in dem Sinne gibt's ja bei uns kaum mehr...

Zum anderen hat man auch großes Mitleid mir dieser 26-Jährigen, die seit dem frühen Krebstod ihrer Mutter von Affäre zu Affäre strauchelt, ihre Ehe mit ihrer großen Liebe nicht mehr aufrecht erhält und schließlich sogar ein paar Wochen Heroin nimmt. Überhaupt diese Mutter: heiratet jemanden, den sie gar nicht recht liebt, weil sie schwanger ist, bekommt noch zwei Kinder von ihm. Er schlägt sie regelmäßig, bis sie in nach langem hin und her endlich velässt. Der Stiefvater schenkt ein bisschen Stabilität, doch nach dem Tod der Mutter (Lungenkrebs mit 45!) bricht alles auseinander, selbst der Kontakt zu ihrem kleinen Bruder wird immer sporadischer.

Auf diesem Trip jedenfalls findet Cheryl sich wieder, und das ist unheimlich spannend erzählt. Die Begegnungen mit den anderen Wanderern, die körperlichen Strapazen, das Aufeinandertreffen mit Füchsen, Bären und Rehen, die Sehnsüchte nach einer Dusche, normalem Essen, einem Glas Wein... Ich hab's jedenfalls verschlungen. Und freu' mich auf's Wandern im Frühling, auch wenn ich's als Kind gehasst hab'.

Cheryl Strayed ist inzwischen mit einem Filmemacher verheiratet und hat zwei Kinder. Sie schreibt und schrieb Essays unter anderem für die Washington Post, Vogue und das New York Times Magazine. Ihre Kolumne "Dear Sugar" wurde mehrfach ausgezeichnet. In einem Spiegel-online-Interview berichtet sie anlässlich des Filmstarts von ihrem Trip.

Und dann geht's jetzt bald ins Kino... Und ihr? Habt ihr's gelesen? Oder den Film schon gesehen?



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