Samstag, 4. Juli 2015

Sommer-Lektüre: drei Tipps

Na, geht's bald los in die Ferien? Lest ihr da digital oder schleppt Ihr noch Bücher? Jetzt wo der Sommer endlich da ist, kann man ja auch bei uns am Badesee lesen. Und hier drei Empfehlungen:


1. Benedict Wells: Becks letzter Sommer (Diogenes)


Das Buch habe ich erst jetzt entdeckt, da es mit Christian Ulmen in der Titelrolle gerade verfilmt wurde und in die Kinos kommt: Ein Lehrerdasein in München - Robert Beck trinkt oft abends zu viel, hat ein Bäuchlein bekommen, das er nicht mag, und kann sich zu gar nichts mehr recht aufraffen, seinen Beruf mag er auch eher so mittel... Sehnsüchtig denkt er an seine Zeit als Musiker in einer Rockband zurück, als er eine Entdeckung macht. Einer seiner Schüler ist ein Gitarren- und Gesangsgenie. Bald träumt er von der großen Managerkarriere und schreibt Songs für Rauli Kantas. Außerdem traut er sich, eine Traumfrau im Café anzusprechen und sich mit ihr zu verabreden... Es scheint aufwärts zu gehen. Doch sein alter Freund Charlie muss in die Psychatrie wegen Drogenproblemen und Depressionen. Das klingt jetzt alles schwerer als es ist. Der Roman ist wunderbar geschrieben, spannend und oft anrührend und mündet in ein wahnsinniges Road-Movie quer durch Osteuropa... Und immer wieder taucht ein gewisser Robert Zimmermann auf. Lesen! Der Film soll so mittelmäßig sein, das Buch sicher nicht.

 

2. J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine (Deuticke Verlag)


Perfekte Sommerlektüre um vier Frauen, die schließlich alle im Sommerhaus der Familie zusammentreffen: Alice, die oft streng und unnahbar wirkt, würde alles dafür geben, eine einzige tragische Nacht in ihrem Leben ungeschehen zu machen. Aber auch Tochter Kathleen, Enkelin Maggie und die scheinbar so perfekte Schwiegertochter Ann Marie, die am liebsten Puppenhäuser bastelt, haben panische Angst davor, dass ihre dunklen Geheimnisse ans Licht kommen könnten. Doch die Wogen schlagen hoch zwischen den ungleichen Frauen, und die Fassaden bröckeln … "Eine meisterhaft erzählte Familiengeschichte in der Tradition der großen amerikanischen Romanciers", sagt der Klappentext, das ist aber nicht alles. Man kann das Meer förmlich riechen und sich eigentlich mit allen Frauen irgendwie identifizieren, auch wenn's manchmal schwer fällt. Das ist meisterhaft erzählt, mit viel Humor und oft tragikkomisch. Ich hab's schon zum zweiten Mal gelesen und es wieder sehr genossen...




3. Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) (Frankfurter Verlagsanstalt)


Jetzt schon mein Buch des Jahres schlechthin, das ich allen, die ich mag, missionarisch ans Herz lege, was ganz selten vorkommt. Lasst euch nicht von den 1.280 Seiten abschrecken. Das wird keine Minute langweilig, und an einigen Stellen am Schluss musste ich wirklich weinen. Die Musik Kittys würde man zu gern hören... Und hier eine - nicht von mir verfasste - kurze, präzise Inhaltsangabe des Verlages:

"Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen ... Deutschland, 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und deren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält. Das achte Leben (Für Brilka) ist ein epochales Werk der auf Deutsch schreibenden, aus Georgien stammenden Autorin Nino Haratischwili. Ein Epos mit klassischer Wucht und großer Welthaltigkeit, ein mitreißender Familienroman, der mit hoher Emotionalität über die Spanne des 20. Jahrhunderts bildhaft und eindringlich, dabei zärtlich und fantasievoll acht außergewöhnliche Schicksale in die georgisch-russischen Kriegs- und Revolutionswirren einbindet."

 Ja, manchmal kippt das fast, aber nur fast in Phantastische, Melodramatische, aber irgendwie passt es trotzdem immer. Also nix wie ran.

Und was lest Ihr so?

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