Donnerstag, 29. Dezember 2016

Winterlich regional: Blaukraut mit Schopperl - ein altes Familienrezept



Nach der Veröffentlichung meines letzten Beitrages (Vegan day: Kürbis aus dem Ofen, Rote-Bete-Chips, Ruccola und Avocado-Salat) bekam ich doch gleich eine Reaktion: Ich hatte es befürchtet, denn den Artikel in der ZEIT von der von mir sehr verehrten Elisabeth Raether hatte ich vorher auch schon gelesen: Avocados sind böse. Ja, weil alle – vor allem Veganer und Vegetarier – so scharf drauf sind, müssen immer mehr angebaut werden, und das auch noch ganz weit weg. Außerdem verbrauchen Avocados, beziehungsweise deren Aufzucht, sehr viel Wasser, das in den Gegenden, wo sie wachsen, eher die Menschen brauchen könnten. Oder so, ganz grob zusammen gefasst. Ganz grob. ;-)


Deshalb gibt es heute ein Rezept, das vegetarisch und trotzdem rein saisonal und regional ist: Blaukraut mir Schopperl. Jawoll. Das gab’s schon bei meiner Uroma, ist eigentliche ein Arme-Leute-Essen, macht aber satt und sehr zufrieden. Schopperl sind eine oberpfälzische Angelegenheit, Verwandte davon sind Fingernudeln oder auch Schupfnudeln - oder in Italien Gnocchi.

Das Blaukraut nennen die jenseits des Weißwurstäquators Ansässigen Rotkohl oder Rotkraut, es ist reich an Eisen, Mineralstoffen, Anthocyanen (sekundärer Pflanzenstoff, bzw. Pflanzenfarbstoff, der als Radikalfänger wirkt und zur Stärkung des Immunsystems und als Entzündungshemmer wirkt), Zucker und Senfölen. Das Blaukraut ändert seine Farbe je nach pH-Wert des Bodens: in sauren Böden erscheint er eher rot, in alkalischen Böden dagegen bläulich. Es hat wenig Kalorien, aber viele Ballaststoffe, das in hohen Dosen enthaltene Ascorbin verwandelt sich durch schonendes Erhitzen in Vitamin C. Was will man also mehr?



Und das braucht man (für 4 Personen)


Für das Blaukraut


  • einen halben Kopf Blaukraut
  • Öl zum Anbraten
  • ¼ Liter Brühe
  •  ½ Apfel, klein geschnitten
  • eine Zwiebel, mit ein paar Nelken gespickt
  • Rotwein, Balsamico, Salz und Pfeffer zum Abschmecken



Für die Schopperl:

-          800 g Kartoffeln, mehlig kochend
-          100 g Mehl (müsste auch mit Kichererbsenmehl funktionieren!)
-          1 Ei (muss nicht sein)
-          Salz, Pfeffer, Muskat
-          zum Ausbacken Butterschmalz, Pflanzenöl bevorzuge ich

Und so geht’s:


  • den Strunk aus dem Kopf herausschneiden, vierteln und in sehr dünne Scheiben schneiden.
  • In einem großen Topf Öl heiß werden lassen, darin das Kraut anbraten, mit einem Viertelliter Brühe angießen, den klein geschnittenen Apfel und eine mit Nelken gespickte Zwiebel dazu geben, Deckel drauf und mindestens eine halbe Stunde schmoren lassen.
  • Wenn alles weich ist, mit leckerem Rotwein, Balsamicoessig und reichlich Salz und Pfeffer würzen.
  • Schmeckt aufgewärmt am nächsten Tag noch besser
  • Die Kartoffeln in der Schale weich kochen, wenn sie noch heiß sind schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken, ausdampfen lassen.
  • Mehl, Salz, Muskat und das Ei darüber geben, alles mit einer Gabel locker vermischen, mit Salz, Pfeffer  und Muskat kräftig abschmecken und mit den Händen zu einem Teigbatzen formen.
  • eine Handvoll auf einem bemehlten Brett zu gut daumendicken Rollen formen und mit einem Messer in gleich große Stücke schneiden.
  • Butterschmalz oder Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Schopperl bei mittlerer Hitze goldbraun braten, dabei mehrmals wenden. Man kann sie auch mit einer Ei-/Milchmischung übergießen und im vorgeheizten Backofen schmurgeln, bis sie braun sind, goldbraun natürlich…


Bon appétit!

Mittwoch, 23. November 2016

Vegan day: Kürbis aus dem Ofen, Rote-Bete-Chips, Ruccola und Avocado-Salat

Ich mag kräftige Farben, manche Rezepte fallen mir ein, weil ich daran denke, wie schön Zutaten zusammen passen könnten. Vorgestern fiel mir dann vor dem Einschlafen auf, dass das helle Grün von Avocados sicher mit dem kräftigen Orange eines Hokkaido-Kürbis und dem dunklen Rot der Bete gut harmonieren würde. Und in der Tat hat es auch noch sehr gut geschmeckt - ohne jede tierische Zutat!


Und das braucht man (für 2 Personen):


  • 2 reife Avocados
  • 2 handvoll Ruccola
  • 1 kleiner Hokkaido-Kürbis
  • 3 Rote-Bete-Knollen
  • Kürbiskerne für die Deko
  • Olivenöl, Pfeffer, Meersalz, Saft von einer Limette

Und so geht's:


  • Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen, Kürbis waschen, entkernen und in Spalten schneiden, auf einem Backbleck verteilen, mit Olivenöl, Salz und Pfeffer einreiben, 15 Minuten im Ofen backen.
  • Inzwischen Rote Bete schälen, in dünne Scheiben schneiden, ebenfalls salzen und auf das Backblech in den Ofen legen, alles weitere 20 Minuten backen.
  • Ruccola und Avocadowürfel auf einem Teller anrichten und mit einem Dressing aus Olivenöl, Limettensaft, Meersalz und Pfeffer beträufeln.
  • Die fertig gebackenen Kürbisspalten in Stücke schneiden und mit den Bete-Chips zu den restlichen Zutaten auf den Teller geben.

Bon appétit!


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Literarische Porträts Teil 1 - Connie Palmen

Seit ich lesen kann, bin ich eine Leseratte. Die Dame in der Stadtbücherei sah mich wegen meiner Stapel, die ich regelmäßig weg trug, oft fragend an: "Lest du des alles a wirklich?" - Ja, hab' ich - verschlungen habe ich die gesamte Kinder- und Jugendbibliothek. Fand verbotene Bücher in den spärlich bestückten Schränken im Elternhaus, lugte mit elf in die Erwachsenenabteilung... 

Heute werde ich immer noch nervös, wenn der Bücherstapel neben meinem Bett zu niedrig wird, habe mich selber am Bücherschreiben versucht und hege besondere Beziehungen zu Autorinnen und Autoren, denen ich noch nie persönlich begegnet bin und die mich trotzdem mit ihren Sätzen und Geschichten zum Nachdenken und auch zum Weinen gebracht haben.

“They were involved in that awkward procedure of getting to unknow each other.” 

John Irving, „The World According to Garp


John Irving ist das Paradebeispiel. Ich entdeckte ihn erst relativ spät auf einer Australienreise vor über 20 Jahren. Als wir per Boot zurück von einem Schnorchelausflug zum Great Barrier Reef in den Sonnenuntergang fuhren, schluchzte ich hemmungslos, weil Garp eben gestorben war. Kaufte dann nach und nach all seine Bücher, alles, was er je geschrieben hat.

Ein Germanistik-/Anglistikstudium vergällte mir dann für ein paar Jahre die Lust am Lesen. Das Zuviel-lesen-müssen war es nicht, eher das Auseinandernehmen, Analysieren, Einordnen. Jetzt Jahre später bin ich es wieder - lesesüchtig.

Zwei Niederländer gehören längst zu meinen absoluten Lieblingsautoren, beide publizieren in meinem absoluten Lieblingsverlag Diogenes: zum einen Leon de Winter (davon mehr im zweiten Teil dieser Serie), zum anderen Connie Palmen, die im August ihr neuestes Werk über die faszinierende Beziehung zwischen der amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath und dem britischen "poet laureate" Ted Hughes veröffentlichte: "Du sagst es".


Foto: Annaleen Louwe / Diogenes

Entdeckt habe ich Connie Palmen, 1955 in Limburg geboren, durch ihr Erinnerungsbuch "I.M." über ihren Lebenspartner Ischa Meijer, ihre erste große Liebe, den sie nach nur vier Jahren durch einen plötzlichen Herztod verlor. Seichtes Leben und seichte Gefühle sind Connie Palmen fremd. Sie war durch ihren ersten Roman "Die Gesetze" (1991) plötzlich berühmt geworden und wurde dazu von dem Journalisten und Radiomoderator interviewt. Sieben Tage danach, so beginnt das Buch, schließt er seine Wohnung gerade ab, "als ich, von der Prinsengracht kommend, um die Ecke biege. Wir bleiben beide wie angewurzelt stehen und sehen einander an, ohne etwas zu sagen. Ohne jede Vorwarnung dehnt sich mein Schließmuskel, und ich mache mir in die Hose. Mir gegenüber spreizt er die Beine, faßt sich an den Hintern und ruft verdutzt aus, er habe sich in die Hose gekackt."

"Schriftsteller, Schauspieler, Entertainer, Tänzer, Dichter und Huren, sie alle begeben sich auf die unermeßliche Bühne, auf der das Gesetz des Als-ob regiert."

Connie Palmen (I.M.) 


Von diesem Zeitpunkt an sind die beiden unzertrennlich: die zarte intellektuelle Schriftstellerin und der viel ältere jüdische von einer schlimmen Jugend gezeichnete Lebemann - trotz seiner  gelegentlichen Seitensprünge. Sie unternehmen größere Reisen, vor allem in die USA, sie ist die stärkste Inspiration und Kritikerin seiner "Der-Dicke-Mann-Kolumnen", ach, das muss man selber lesen.

Schwer zu beschreiben, wie herzergreifend diese Geschichte und vor allem auch ihr Ende ist. Beim bestimmt vierten Mal Lesen, hat mich folgende Stelle sehr berührt: "Für mein Gefühl wird Schauspielern, Autoren, Performern, ja, allen, die zu erkennen geben, daß sie sich auf die eine oder andere Weise offenbaren möchten, etwas zuviel Eitelkeit unterstellt. Meiner Meinung nach ist der Ursprung diese Bestrebens - und Talents - nahezu das Gegenteil von Eitelkeit: Es ist das zu Recht oder zu Unrecht empfundene Unvermögen, sich in Alltäglichem zu offenbaren. Dieses vermeintliche Unvermögen kann nur eine Folge mißglückter, unverstandener oder verkannter Botschaften sein, und am grausamsten ist es, wenn die Botschaft Liebe bestritten wird. Wenn der Liebe, aus der heraus man gehandelt hat, zuwenig Glauben geschenkt wurde.
Schriftsteller, Schauspieler, Entertainer, Tänzer, Dichter und Huren, sie alle begeben sich auf die unermeßliche Bühne, auf der das Gesetz des Als-ob regiert. Sie tun das, weil nur das Als-ob ihnen die Möglichkeit bietet, die Wahrheit zu sagen. Auf der Bühne der Fiktion ist die Enthüllung der Wahrheit nicht bedrohlich oder enttäuschend, denn Fiktion macht den Schriftsteller und den Schauspieler, gerade weil sie den Wahrheitsanspruch fallengelassen haben, unangreifbar."

"In einer Liebe kann man nie nur einem die Schuld geben."

Connie Palmen


Und so sind alle ihre Bücher, heute neun insgesamt: lebendig, philosophisch und voller Liebe zum Leben und den Menschen. Auf ihr neuestes Werk "Du sagst es" war ich wieder einmal besonders gespannt, da mich die tragische Liebes- und Ehegeschichte von Sylvia Plath und Ted Hughes schon lange fasziniert hat und ich bereits einige Monografien über die beiden gelesen hatte.

Connie Palmen lässt dabei Ted Hughes aus seiner Sicht erzählen: von der ersten Begegnung in Cambridge bis zum Selbstmord Sylvia Plaths an einem eiskalten Februarmorgen in London 1963: "Hinter einer Fassade umwerfender Fröhlichkeit verbarg sich ein scheuer Hase mit einer Seele aus Glas, ein Kind voller Ängste, voll alptraumhafter Bilder von Amputationen, Eingesperrtsein, Stromstößen. Und ich - der verliebte Schamane - betete das zerbrechliche Mädchen an, ihr wahres Selbst, wollte tun, was die Liebe vom Liebenden verlangt: ihr Konterfei zertrümmern wie ein zärtlicherIkonoklast. Weil ich sie liebte, war es an mir, sie als Frau und Schriftstellerin aus der unechten Schale zu pellen, sie dazu zu bewegen, dass sie ihre eigene Stimme zu Gehör brachte."

Die schwer depressive Sylvia Plath wurde durch ihren Suizid - ein erster Versuch im Alter von 17 Jahren war misslungen - zu einer Ikone der Frauenbewegung, Ted Hughes, der sie eine paar Monate zuvor für eine andere verlassen hatte, zu ihrem "Mörder". Bis kurz vor seinem Tod - und dann auch nur in einem Gedichtzyklus - hat er sich nie in der Öffentlichkeit dazu geäußert. Connie Palmen gibt ihm mit ihrem Roman eine Stimme, und das ist spannend, kenntnisreich und bildhaft erzählt. Seine Geliebte, Assia Wevill, im Buch eine "exotische Königin der Nacht", steckte übrigens vier Jahre nach Sylvia Plath ebenfalls ihren Kopf in den Gasherd, tötete ihre vierjährige Tochter aber ebenfalls. Erst 2006 erschien ein Buch über ihr tragisches Leben.
Ted Hughes und Sylvia Plaths Kinder Frieda und Nicholas überlebten in einem Nebenzimmer. Nicholas verübte 2009 in seinem Haus in Alaska Selbstmord.

So, ich hoffe, das hat Appetit gemacht, ich habe das Buch verschlungen...

Montag, 10. Oktober 2016

Ein Buch über Mode: "Stilvoll" von Marlene Sørensen

Marlene Sørensen, die Autorin dieses Buches, das nicht nur für Frauen, die Mode lieben, sondern auch für solche ist, die nach ihrem eigenen Stil noch suchen, ist freie Journalistin (ZEIT-Magazin, Vogue, Maxi) und bloggt über Mode und Design auf Spruced. Dort schreibt sie über sich: "Ich mag Männerhemden, gute Schneiderei und alarmroten Lippenstift. Meine Großmutter hat mir beigebracht, dass man nie zu viele Schuhe besitzen kann. Und wer wäre ich, meine Omi zu hinterfragen."



Bewaffnet mit Sandaletten von Céline schreibt sie im Vorwort: "Hinter dieser (ihrer) Stilsicherheit steckt kein großes Geheimnis. Ich schaue mir vor allem an, wie es andere Frauen machen. Was sie anhaben, sie sie es tragen. Worauf sie achten. Also habe ich die Frage danach, wie man vor lauter Möglichkeiten seinen eigenen Stil findet, Frauen gestellt, die ihren gefunden haben."

Diese besonderen Frauen wie Model Eva Padberg (siehe Foto unten), Musikerin Joy Denalane, Schauspielerin Hannah Herzsprung oder die angesagte Stilikone Alex Eagle, die im Londoner Stadtteil Soho als Einkäuferin arbeitet, kommen zu Themen wie "Klassiker", "Ausgehen" oder "Roter Teppich" selber zu Wort und stellen mit eigenen Worten ihre Tipps und Erfahrungen vor.





Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt: Klassiker, Neue Klassiker, Alles fürs Ausgehen, Alles ab 25 Grad, Alles unter Null und Alles außer gewöhnlich. Neben den Stilporträts der Frauen und Anmerkungen dazu, was man von ihnen lernen kann, gibt es zu jedem Bereich nützliche, praktische Tipps: zum Beispiel "Was kann ich mit einem Hemd alles anstellen", "Wie finde ich die perfekte Jeans" oder "Wie stehe ich auf eine Party gut da?"

Sørensen empfiehlt klassische Stücke, auf die man sparen oder preiswertere Lösungen, die man sofort erstehen kann. "Die 5-Minuten-Lösung" kann man morgens vor dem Kleiderschrank anwenden, wenn einem wieder mal gar nichts einfällt, und den letzten Schliff geben Accessoires für jeden Anlass. Im letzten Kapitel werden auch noch die Themen "Umstandsmode" und "Brautkleider" kurz angerissen.


Das Ganze ist sehr ansprechend und natürlich stilvoll bebildert, das Layout ist so zeitlos elegant wie dieser Ratgeber, der das Zeug zu einer zeitlosen Style-Bibel hat. Das Blättern macht großen Spaß, inspiriert, und man würde am liebsten sofort los ziehen und seinen Kleiderschrank komplett neu bestücken - oder vervollständigen zumindest. Sehr zu empfehlen - auch Modemuffel finden hier vielleicht zu ihrem Stil.

Marlene Sørensen: Stilvoll. Inspiration von Frauen, die Mode lieben

176 Seiten, gebunden, mit farbigen Abbildungen, Callwey 2016

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Apfelkuchen nach altem Familienrezept - mit Trick!

Dieser Kuchen geht schnell, ist sehr unkompliziert, und man kann ihn einfach mal so am Wochenende backen, denn die Zutaten hat man aller Wahrscheinlichkeit nach sicher zu Hause:


Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen

Und das braucht man (für eine normale handelsübliche Springform)


- 125 g Zucker
- 125 g weiche Butter
- 3 Eier
- 125 g Mehl, 1/2 Päckchen Backpulver
- 2 bis 3 Äpfel, geschält, in Achtel zerteilt
- Butterbrotpapier
- Butter zum Fetten und für oben drauf
- etwas Zimt

Und so geht's:


In einer Rührschüssel mit dem Handrührgerät Butter und Zucker schaumig schlagen, die Eier dazu geben, weiter rühren, nach und nach das Mehl mit dem Backpulver unterrühren.
Teig in die gebutterte Form geben und verteilen, die Äpfel rautenförmig auf dem Teig verteilen.

 

Und jetzt kommt der Trick: damit die Äpfel nicht austrocknen und der Kuchen saftig bleibt, einen Kreis aus Butterbrotpapier in Größe der Form ausschneiden und dick mit Butter bestreichen. Mit der Butterseite nach unten auf die Äpfel legen, nicht andrücken!



Backzeit um die 35 Minuten, mit Zimt bestreuen.



Bon appétit!

Dienstag, 27. September 2016

Endlich wieder Kürbis: aus dem Ofen mit Bohnen- und Kichererbsensalat

Was der Spargel im Frühling ist für mich Kürbis im Herbst - leuchtend orange liegen ganz Berge davon neben den Straßen. Gestern hab' ich den Ersten gekauft und gleich ein (fast) veganes proteinreiches Abendessen damit kreiert: Kürbisspalten aus dem Ofen mit Bohnen-Kichererbsensalat und Thymian-Ingwer-Dressing:


Und das braucht man (für 2 Personen):

- einen halben großen Hokkaido-Kürbis, gewaschen, entkernt und in Spalten geschnitten
- zwei Handvoll grüne Bohnen, geputzt und 10 Minuten in Salzwasser gekocht
- eine halbe Dose Kichererbsen
- Kürbiskerne und Korianderblätter zum Dekorieren
- wer mag: Ziegenfrischkäse

Für das Dressing:

- 4 EL Olivenöl
- 2 EL Weißweinessig
- Saft von einer Limette
- Blättchen von zwei Zweigen Thymian
- 2 TL Ingwersirup (oder Ahornsirup)

Und so geht's:

Ofen auf 200 Grad vorheizen, die Kürbisspalten auf ein Backbleck geben und mit 3 EL des Dressings beträufeln, im Ofen backen, das dauert ca. 30 Minuten, bis sie weich sind.
Bohnen, Kichererbsen und das übrige Dressing in einer Schüssel mischen und auf zwei Tellern anrichten, fertigen Kürbis dazu und mit Kürbiskernen und Koriander bestreuen.
Wer nicht vegan lebt, kann noch ein paar Ziegenfrischkäse-Nocken darauf setzen.

Bon appétit!

Mittwoch, 17. August 2016

Pause wegen Proben, aber jetzt: 20 Jahre Gaisa, Geyer & Kreuzer - Menschen, Biere, Sensationen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,
bin etwas abgetaucht, weil wir, das sind Gaisa, Geyer & Kreuzer gestern die Premiere unseres Jubiläumsprogrammes im Statt-Theater Regensburg gefeiert haben. Hier Bilder von Dietmar Grün.
Bis Samstag, den 20.8.2016 könnt Ihr uns noch besuchen, immer ab 20 Uhr. Wir freuen uns!












Mittwoch, 20. Juli 2016

Teil 7: Shopping Queen – das Finale: Berlin, Berlin, wir fahren zu Guido!

Freitagabend, nachdem das allerletzte Kurzinterview der Woche abgedreht war, - das war irgendwie schon ein komisches Gefühl. Man war sowohl mit den anderen Frauen als auch mit dem ganzen Team zusammen gewachsen. Natürlich wurde noch ein bisschen gefeiert, Erinnerungsfotos geschossen und langsam auch eher private Gespräche geführt. Mitten in der Nacht musste ich dann meinen Koffer packe, es ging am nächsten Morgen um 6.15 Uhr zur Musikmesse nach Frankfurt. Hatte vorher gedacht, ich würde im Zug sofort einschlafen, aber die Eindrücke waren noch so tief. Ich ging im Geiste Tag für Tag noch einmal durch, und schwupps war ich angekommen. Sonntagabend ging’s mit Kollegen zurück, und die wollten alles ganz genau wissen. Deshalb diese Blogbeiträge… Am 30. Juli werden übrigens alles unsere Folgen ab Stück ausgestrahlt, ab 13 Uhr auf Vox.




Am Montag wurde ganz normal gearbeitet, danach Geschenke für Guido gekauft: Senf, Marzipan-Weißwürste, ein besonderer Tee… Und ich „musste“ mir die schwarze Tasche von Salamander kaufen, die ich an meinem Tag erspäht hatte, schließlich fährt man nicht jede Woche zu Guido Maria Kretschmer nach Berlin. Abends wieder Koffer packen, alle Teile des Outfits müssen dabei sein. Finde das grüne Armkettchen nicht mehr, gerate in Panik, bis mir einfällt, dass ich es Freitagnacht in meinen Geldbeutel gesteckt habe, damit ich’s ja nicht verliere.

Der Zug geht um 7.30 Uhr, großes Hallo am Bahnhof, wir haben ICE-Tickets mit Sitzplatzreservierung. Stylen müssen wir uns übrigens selber, da wird niemand vor Ort sein. Wir haben das große Glück, dass wir einen Profi dabei haben, die ihr Equipment mit nimmt, meine Haare und Nägel schon im Zug macht und uns auch tatkräftig beim Schminken unterstützt. Danke Schatz!





Zum Hotel sollen wir ein Taxi nehmen, zu fünft braucht man Großraum, das lässt auf sich warten. Bis wir vom Hotel abgeholt werden, bleiben uns gerade mal 45 Minuten. Köfferchen mitnehmen, die Ankunft beim Showroom wird gedreht… Komisch, wieder mit einem ganz fremdem Team zu arbeiten. Wir dürfen schließlich in den Raum mit dem Laufsteg samt kleiner Garderobe hinten, wo wir uns umziehen können. Vorher können wir Teile aus Guidos Kollektion begutachten, anprobieren und bewundern. Das Team will irgendetwas mit den Schuhen drehen, sie werden im Film ganz allein den Laufsteg entlang gehen, bis wir, Zauberei, wieder drin stecken.

Warten im Vorraum, denn gleichzeitig schaut sich Guido unten unsere grob geschnittenen Shopping-Tage an. Kurzinterviews, wer wird gewinnen? Freut Ihr euch auf Guido? Jaaaaa! Und dann ist es endlich so weit. Für mich war das alles sehr unwirklich im Nachhinein. Er kommt da genauso authentisch und echt raus aus der Garderobe, wie man es eben aus dem Fernsehen kennt. Wir klatschen wie die Wilden. Für jede Einzelne von uns hat er persönliche und fast liebevolle Worte, übrigens viel mehr als man im Fernsehen davon sieht. Das Finale wird ja an den Tag der Freitagskandidatin angeschnitten, ist also ziemlich kurz.



Es gibt keinen fünften Platz, aber einen vierten und dritten, die übrigen drei Damen stellen sich nebeneinander. Wie in einem Nebel bekomme ich mit, dass es zwei zweite Plätze gibt, die an – die anderen beiden gehen. Ich hab‘ gewonnen. Ich fass es nicht. Bis heute eigentlich nicht. Drücke Guido so fest, dass er sagt, die hat aber Kraft. Tränen in den Augen. Das Geld wird überreicht (das muss man aber wieder zurückgeben, wird erst nach der Ausstrahlung überwiesen…), Fotos werden gemacht, alle umarmen sich. Leider hat Guido ganz wenig Zeit, er muss zum Flughafen. Wir überreichen die Geschenke, alles geht schnell. Autogrammkarten bekommen wir noch. Auf meiner steht „Für die zauberhafte Ursula“, auf Bernhards „Für den tollen Bernhard“. Vorbei, letzte Interviews: was mach‘ ich mit dem Geld? Uff, wir ziehen uns um und fahren zusammen zum Essen, spendiere das Taxi und eine Runde Getränke. Am nächsten Morgen geht’s zurück nach Regensburg.

So, meine Lieben, das war’s jetzt eigentlich. Ich wollte noch einen allerletzten Beitrag zum SQ-Forum auf Facebook schreiben, denn da wurden vor allem zwei von uns während der Ausstrahlung böse niedergemacht, aber diejenigen, die’s betrifft, werden das sowieso nicht lesen… Falls doch, bedenkt einfach, dass Ihr nur einen sehr knapp umrissenen Ausschnitt von uns im Fernsehen seht. Wir sind trotzdem reale Menschen mit vielen Facetten, denen Beleidigungen wehtun.

Und ein Tipp für zukünftige Kandidatinnen: schaut euch die Kommentare über euch einfach gar nicht an. Im realen Leben nach der Ausstrahlung bekamen wir nur positive Reaktionen übrigens. Meine Schuhe und mein Kleid gefallen mir immer noch, die wird‘ ich für immer behalten. Auch wenn Guido gesagt hat, ich seh‘ darin ein bisschen aus wie eine Lehrerin am Wandertag (hört man im Schnitt nicht), aber eine Hübsche. Egal. ;-) Über Kommentare, Freundschaftsanfragen und alles
Mögliche freue ich mich!


Montag, 18. Juli 2016

Teil 6: Mein Tag bei Shopping Queen - 4 Stunden sind 4 Stunden sind nicht 4 Stunden...

So, und dann brach endlich mein Tag an, es war der Donnerstag. Schlecht geschlafen hab' ich nicht, aber nicht wirklich viel. Träumte von Sommerschuhen, im Ernst. Viele verschiedene Modelle flogen am Himmerl vorbei, und ich konnte sie nicht fangen... Der Tag ist durchorganisiert, denn ich will nicht, dass Hund und Kind das Team stören, ist eh alles anstrengend genug... Meine Shopping-Begleitung ist, wie im ersten Teil schon erwähnt, mein Mann. Er kennt mich am besten, weiß, was mir steht, hat mich in der ganzen Zeit vorher so unterstützt, ich freu' mich auf den Tag mit ihm... Während ich dusche, holt er schon mal die vorbestellten Butterbrezeln und Wiener Würstchen ab. Das Team ist immer sehr hungrig und dankbar, wenn es nicht nur ein Stück von einer Torte abbekommt. Verständlich, vom Frühstück im Hotel bis abends beim Essen, das ist eine lange Zeit.



Foto: Vox / Constantin Ent.

Was zieh’ ich an zum Shoppen? Was Bequemes, klar: Hose, T-Shirt, Sneaker, mit denen ich gut laufen kann. Stylen kommt später. Um 8.30 Uhr kommt das Team, da an meinem Tag auch noch das so genannte 5er-Bild gedreht wird, am Donaukanal... Ok, dann ziehen wir mal erst durch die Wohnung, ich zeige dem Realisator meinen Kleiderschrank, meine Perücken... Die Idee kommt auf, dass Bernhard in Heino-Perücke die Tür aufmacht. Außerdem sollen wir wieder singen, na gut. Mein Wohnzimmer wird auch noch umgestellt, die Sofas gegenüber, das geht nicht. Dann geht's los mit dem Drehen: Begrüßung, wir singen. Ich führe das Team durch meine Wohnung, wir landen am Kleiderschrank. Das ist übrigens nur einer meiner zwei, den anderen sieht man nicht. Mehr Schuhe hab ich auch, viel mehr...

Zeige meine Lieblingskleider, versehen mit kleinen Anekdoten, es soll persönlich und emotional sein. Das gelingt mir ganz gut, denke ich. Führe eines meiner Lieblingskleider samt Schuhen vor, läuft. Danach seh' ich die Mädels schon für den 5er-Dreh. Wir marschieren Arm in Arm am Kanal entlang, nicht einmal, nein, ich hör schon auf ;-)

Zurück in die Wohnung, die Mädels kommen, Bussi Bussi, auf's Sofa setzen, Sekt öffnen, trinken, Bernhard rufen... Wir singen ein Ständchen, klären auf, dass wie Musikkabarett machen, verabschieden uns... Mich zerreißt es langsam... Haben wir alles, was wir brauchen? Ok, es wird ernst, runter die Treppen, und da steht er: der Shopping-Bus. Zirka 10 Minuten, bevor wir los fahren, bekomme ich eine Liste mit meinen Läden, die ich anfahren darf. Vor Aufregung erkenne ich kaum etwas, sehe aber Salamander, Gott sei Dank, die führen meine Schuhmarke, die mir passt. Hab' nämlich echte Problemfüße, die auch noch breit sind und in die wenigsten gängigen Marken passen. Uff...

Wir steigen ein, sprechen über meine Pläne, reden und reden, die Fahrt dauert etwa 20 Minuten, weil es keinen direkten Weg in die Innenstadt gibt. Aussteigen, wieder einsteigen, wieder aussteigen... Magischerweise sehe ich von außen schon einen schwarzen Schuh, der mir gefällt. Braun mit Plateau und Fransen und Metallictöne hatten wir schon, also will ich Schwarze oder Weiße. Und vor allem welche, die ich auch im wirklichen Leben noch gut anziehen kann. Die nette Verkäuferin bringt meine Größe, passen super... Stolzieren vor der Kamera, Schnittbilder, 20 Minuten vergehen wie nix. Mir wird ans Herz gelegt, noch zwei andere Paare in Betracht zu ziehen, sonst könnte es zu langweilig für die Zuschauer sein, klar. Wird später im Schnitt nicht zu sehen sein, frisst aber weitere 10 Minuten kostbare Zeit. Ich sehe eine Tasche, eine andere, 10 Minuten. Wir zahlen, die Tasche ist zu teuer. Noch laufen wir nicht, alles cool. Aber die erste Stunde (!) ist vorbei.

Weiter geht's zu Fuß zu einem Laden, in dem es bunte Kleider gibt, ich will ein Kleid, alle anderen waren in Hose. War vorher genau einmal da drin, aber was soll's. Die Chefin ist persönlich da, alle werden übrigens immer vom Team "vorgewarnt", dass wir kommen, und ist nervöser als ich. Sie zeigt mir sofort ein Kleid nach dem anderen, was wiederum schlecht für die Zeit ist, da von allen Aufnahmen gemacht werden müssen. Zeit rennt, ich würde gern zehn Kleider probieren, aber ich weiß, dass der Friseur sicher 45 Minuten brauchen wird, danach müssen wir mit dem Bus zur Pediküre in einen anderen Stadtteil fahren, es wird also verdammt eng. Billigschmuck-Laden habe ich auch nicht auf der Liste, also kaufe ich kurzerhand alles in dem Laden: eine buntes Kleid, das nicht optimal zu den Schuhen passt, aber Schwarz im Muster hat, eine Tasche, die so gar nicht meins ist und die ich später meine Mama schenke, und ein Armkettchen, dessen Farbe dann nicht zu Nagellack passen wird, was mir aber in dem ganzen Stress nicht auffällt.



Zum Friseur laufen wir schon, sehr entspannend, da zu sitzen, und mir haben die Haare und das Makeup super gefallen, Guido nicht. Kam aber auch in den Regen damit. Laufen zum Bus, der in den engen Gassen nicht halten kann. Für Fuß- und Fingernägel bleiben noch 20 Minuten am Schluss, gut, dass ich sowieso die Woche vorher bei der Fußpflege war. Wir zählen die Sekunden runter. Aus vorbei.

Also, urteilt bitte nicht so streng, die Zeit wird NICHT angehalten für Schnittbilder etc., dachte auch früher, wie kann man in 4 Stunden kein Outfit finden, man muss schnell entschlossen sein, es sind keine echten 4 Stunden...

Kommt wieder und lest, wie es dann war, den einzigen wahren Guido zu treffen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Freitag, 15. Juli 2016

Erfahrungen bei Shopping Queen Teil 5: nachmittags zu Haus und Beurteilen am Laufsteg

So, ich habe beschlossen, dass dies der vorletzte Teil dieser Saga wird, mir wird’s selber schon langweilig. ;-) Jeder Tag läuft nun ungefähr gleich ab: die Shopperin geht shoppen, und wir werden zu Hause interviewt, dürfen in Kleider- und Schuhschränke schauen und kommentieren, was wir davon halten, was davon zum Motto passen würde etc.



Warum macht man das? Mmh, darüber habe ich viel nachgedacht, vielleicht, um die Kandidatin noch ein bisschen besser kennenzulernen? Wer schaut schon nicht gern in fremde Wohnung und interessiert sich nicht dafür, wie jemand anderer lebt? Passend zur jeweiligen Dame denkt man sich noch kleine Aktionen aus, die dann möglichst witzig geschnitten werden. Am Tag 1 bekamen wir eine Brauerei-Führung, die Dienstagskandidatin hatte ein tolles Buffet aufgebaut, ließ uns Weißwürste servieren von einer wunderbaren Frau im Dirndl, und ein Musiker in Lederhose kam auch noch zu Besuch. Am dritten Tag haben wir gezaubert, und bei mir zu Hause haben die Mädels auf unseren Instrumenten brilliert und in meinen Sachen und Perücken Kabarett aufgeführt. Am Freitag kam eine Bauchtänzerin und wir durften Raki probieren.




Wie schon mal gesagt: mitgefangen mitgehangen… Man kann übrigens bestimmte Bereiche seiner Wohnung ganz einfach zur Tabuzone erklären, da wird dann nicht gefilmt. Das Team braucht Platz für die Ausrüstung, das sollte man auch bedenken. Ich fand und finde es gar nicht eklig oder unverschämt, wenn man sich in den Kleiderschränken der anderen umschaut oder mal eine Aktion auf der Bettdecke macht, das gehört einfach dazu. Eher schwierig war für mich das viele Warten zwischen den Aktionen und Interviews, denn man agiert meistens zu zweit, die beiden anderen halten sich währenddessen in einem anderen Zimmer auf. Bis Freitag kann sich die Stimmung schon etwas aufheizen, schließlich verbringt man mit vier völlig fremden Frauen vier Tage lang bis zu zehn Stunden zusammen…

„Was wird sie anhaben? Wie werden ihre Schuhe aussehen? Trägt sie Schmuck? Wie werden ihre Haare und das Makeup sein?“ Diese Fragen wird man während dieser Tage immer und immer wieder beantworten: in Zweierinterviews, vor dem Laufsteg und und und… Von dem, was man wirklich geantwortet hat, wird ein Zwanzigstel wirklich gesendet. Aber man braucht Material, klar.




Irgendwann ist es dann auch gut, die Shopperin ist fertig, sie geht mit dem Kamerateam zum Essen, wir mit dem Rest der Mannschaft. Urlaub mit Vollpension, hat es mal einer im Netz genannt. Naja. J Und dann geht’s endlich zum Laufsteg. Der besteht aus mobilen Teilen, die in einem angemieteten großen Raum aufgestellt werden, auch die berühmten Stühle und alles, was man so im Fernsehen sieht. Wir machen gleich mal viele viele Handyfotos… Bevor die Kandidatin dann ihren Walk beginnt, werden wir nochmals befragt - ach, sorry, sagte ich ja weiter oben schon. Die Heldin des Tages darf übrigens vorher proben, bekommt gesagt, wie sie wohin gehen und schließlich stehen bleiben soll. Spannung steigt… Ein Fuß erscheint und wir klatschen wie die Wilden. Dreimal geht die Dame jetzt den Laufsteg hin und zurück, bleibt stehen, und wir müssen möglichst viel reden und kritisieren. Dann ist aber noch lange nicht Schluss, die Kandidatin muss wegen der Schnittbilder noch gefühlte zehnmal hin und her laufen und wir dazu applaudieren, mir taten oft meine Hände weh.

Das Schlimmste war für mich dann die Punktevergabe, die solo gefilmt wird, samt kurzer Begründung. Jede gibt sich Mühe, jede hat das ein oder andere Handicap zu bewältigen, irgendwas ist immer, aber im Laufe der Woche wird man doch kritischer, schaut genauer hin… Egal, schwierig blieb es trotzdem. So, es werden doch sieben Teile, ich kann net mehr…

Bald: wie es so ist beim Shoppen, „Unser Tag“…

Montag, 11. Juli 2016

Erfahrungen bei Shopping Queen Teil 4: der erste Morgen, erstes Beschnuppern

Montag, 7.30 Uhr. Ich habe schlecht geschlafen natürlich, schon das Pausenbrot erledigt, Kind geht zur Schule. Ich wasche mir ganz schnell die Haare, schminke mich und zieh‘ mir mein natürlich lange vorher überlegtes Outfit an. Übertreibe es ein bisschen mit der Kette (wird später Thema sein), aber der erste Eindruck zählt oder? Rufe pünktlich die Handynummer an, die mir am Sonntag überreicht wurde, der zuständige Mitarbeiter ist aber noch unterwegs zum ersten Drehort. Warten. Während der ganzen folgenden Woche muss man sich oft in Geduld üben. Dann der Rückruf, ich darf los stiefeln. 

 
Als Erstes werde ich von zwei netten jungen Damen verkabelt. Meine Kette stört, ich muss sie kürzer machen. Darum sieht sie dann so unbequem aus, Guido ;-) Was für ein Aufwand: Es gibt immer drei Kamerateams: eins in der Wohnung der jeweiligen Kandidatin, das später auch mit zum Shoppen fährt, eines das morgens die anderen bei der Ankunft filmt, Pause macht, später wieder beim Laufsteg weiter arbeitet und ein drittes, das bei den anderen Mädels in der Wohnung bleibt. Einer der Realisatoren, den ich am Sonntag schon kennen gelernt habe, begrüßt mich herzlich, wartet, bis alle fertig sind. Und dann geht’s los: die Ankunft wird gefilmt, nicht nur einmal, nein mindestens viermal… (Ich weiß, ich bin ja schon still), bereue es, dass ich mit den High Heels über’s Kopfsteinpflaster stapfen muss, außerdem ist das Mikro an der Jacke, der Tag wird heiß, und ich werde sie nicht ausziehen können.



Dann wird mir eine Schachtel überreicht, in der ein großes Stück Käse liegt. Ein Hinweis zur ersten Kandidatin. Was könnte das bedeuten, sag‘ doch mal. Mmh, ist sie Holländerin? Arbeitet sie in einer Käserei? Mmh… Fragen über Fragen. Anschließend wird das Klingeln an der Tür gefilmt, nochmal und nochmal, ich gehe rein ins Haus… Spannung - aber jetzt kann ich erst mal wieder nach Hause gehen, denn jetzt werden die Ankünfte der anderen Damen gefilmt. Umpf, was mache ich jetzt zu Hause? Tigere rum und werden immer nervöser. Zappe ein bisschen im Vormittagsprogramm, die Wohnung ist ja schon aufgeräumt. Hah.

Der Anruf kommt, ich darf wieder los. Dieses Mal wird jede in einer anderen Ecke des Hausflurs versteckt, damit wir uns wirklich erst oben bei der ersten Kandidatin auf der Couch sehen. Die Spannung steigt nochmals, höre eine andere Mitstreiterin rechts von mir um die Ecke schnaufen… Die darf als Erste. Ach ja, es wird uns noch genau erklärt, wie das Zimmer aussieht und wo wir uns hinsetzen sollen. Vielleicht wäre dann das Chaos zu groß? Ok. Endlich endlich darf ich die Treppen erklimmen, ich klingle, die Tür geht auf, und eine wunderhübsche junge Frau öffnet sie. Begrüßung, ich geh‘ rein und sehe das erste Mal S., aber nicht so richtig, denn ich platze fast vor Nervosität und sag‘ erst Mal gar nichts. Als nächstes kommt B., dann E. Auf den ersten Blick alles ganz normale Frauen, ich bin die Ältestes… Naja.

Konzentrierte Arbeitsatmosphäre, jede muss sich ganz kurz mit Namen und Alter vorstellen, Sekt wird eingegossen (ist ja schon 12 inzwischen…), wir prosten uns zu, spekulieren über das Motto, Bikini wäre der Horror, für mich Skinny Jeans und Schuhe. Für E. auch, sie hat Größe 42… Film ab: Guido verkündet das Motto, das ich mir gleich aufschreiben muss: „Happy Feet. Bringe deine neuen Sommerschuhe mit perfekt lackierten Nägeln ganz groß raus.“ Oh Gott…. Nein… Zwei freuen sich, die anderen naja. Er empfiehlt auch noch, zur Pediküre zu gehen. Dann marschiert V mit ihrer Shoppingbegleitung los und wir bleiben etwas bedröppelt zurück.

Was man dann so macht in den Wohnungen, wie mein Tag war und vieles mehr – bleibt dran!

Freitag, 8. Juli 2016

Meine Erfahrungen bei Shopping Queen, Teil 3: vor dem Dreh

Der Vertrag, der in der Woche herein flattert, in der man die genauen Termine und die Zusage bekommt, ist 13 Seiten lang. Klar, der Sender und die Produktionsfirma wollen sich gegen alle Eventualitäten absichern. Schließlich könnte man ja am Freitag vor dem Dreh doch zu viel Herzflattern bekommen und das Ganze wieder absagen…

Will ich nicht. Was macht man jetzt in den zwei Wochen bis zum Dreh – abgesehen vom Nervössein? Sich viele neue schicke Sachen kaufen, denn man muss ja gut aussehen im Fernsehen oder? Sich die Haare tönen, zur Fußpflege gehen (!), schauen, dass die Fingernägel in Ordnung sind, paar Liegestützen und andere Übungen in den Alltag einbauen, damit man keine Winkearme zeigen muss…




Abgesehen davon auch nicht so schöne Sachen wie im Job viele viele Überstunden einlegen, um vorzuarbeiten, überlegen, wie und wo man Hund und Kind unterbringt an diesem jenen Sonntag und während der Woche, vor allem an unserem Shopping-Tag, wenn der Mann auch theoretisch den ganzen Tag zur Verfügung stehen soll. Meine über 500 CDs (die Mädels haben sie an meinem Tag zu Hause gezählt, deshalb weiß ich’s) und meine Bücher (unzählige, ich bin eine Leseratte und werde nervös, wenn sich auf meinem Nachttisch weniger als fünf stapeln) alle einzeln abstauben. Warum? Ja wenn die eins raus nehmen und erst den Staub wegpusten müssen, was macht denn das für einen Eindruck? Hah. Eine gute Freundin sagt: „Na wenigstens hast du deinen Kleiderschrank in Topform gebracht und die Wohnung renoviert, ist doch auch schon was…“ Recht hat sie.

Nochmal die Schränke durchschauen, nochmal die Wohnung aufräumen… Und nochmal. Und dann ist es endlich so weit. Der Sonntag vor dem eigentlichen Dreh bricht an, und wir haben zwei Termine: am frühen Nachmittag soll einer vom Produktionsteam kommen, um die Wohnung zu inspizieren, später am frühen Abend wird mein Vorstellungsfilm gedreht. Ihr wisst schon: Liedchen trällern im Proberaum. Wir sitzen rum und warten. Anrufe kommen, alles verschiebt sich etwas nach vorn, was uns sehr recht ist. Ein netter junger Mann, einer der Realisatoren, der am Donnerstag auch in meiner Wohnung drehen wird, kommt und will erst mal reden. Er erklärt nochmals die Regeln, die eigentlich auch schon alle im Vertrag stehen, aber wer liest schon 13 Seiten. (Ich schon.) Dann wird die Wohnung inspiziert, außerdem erklärt er, dass wir klappernde Armreifen, Ketten und Kleidung mit kleinen Mustern nicht tragen sollen - wegen dem Ton und weil es sonst flimmern könnte im Bild. (Leider vergesse ich das gleich wieder...)

Bald danach fahren wir zum Proberaum, wo schon ein Kamerateam (das besteht immer aus drei Leuten: Kamera, Ton und Realisator - das ist der, der immer mit einem spricht und später von der angenehmen Stimme ersetzt wird, die jeder aus dem Fernsehen kennt) auf uns wartet. Sind auch total sympathisch und nett – gibt es nicht ein besseres Wort? – ähm, lustig, auf uns zugehend, offen… Es wird überlegt, wo genau wir drehen, geht alles schnell. Wir singen unser Lied drei bis viermal. Alles wird aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen – wie auch während der ganzen Woche, das werde ich nicht mehr schreiben. Es folgen Miniinterviews, O-Töne. Ich muss sagen, warum ich glaube, dass ich die Shopping Queen werde, wie ich meinen Kleidungsstil beschreiben würde, was ich beruflich mache, was meine Hobbys sind, wie viel ich Monat für Mode ausgebe. Uff… Ich merke schon, dass man vieles, was man so ausplaudert, später nicht sooo gut finden wird, aber man sieht im Fernsehen sowieso nur ein Zehntel, wenn überhaupt. Das werde ich auch nicht mehr schreiben, versprochen. Zum Schluss wird dieses „stille“ Foto, das immer bei der Punktevergabe zu sehen ist, real gedreht.

Bis hierhin weiß ich immer noch nicht das Motto und kenne keine der anderen Frauen, sehr spannend! Doch die erste Adresse bekomme ich, ganz in meiner Nähe, und ich soll um 8.15 Uhr dort sein am nächsten Morgen. Vorher aber noch jemanden vom Team anrufen, ob die Zeit so bleibt. Mmh, die Neugierde treibt mich und ich gehe zu dem Haus und schau mir die Klingelschilder an… Bringt auch nix.

Der erste Morgen, wie man das Motto erfährt und viele mehr demnächst in diesem Theater!


Shopping Queen Teil 2: die Typisierung

Also wenn der Caster kommt, dann weiß man, dass man unter den letzten, sagen wir mal zehn (schätze ich), Kandidatinnen ist, unter denen letztendlich der Sender, also Vox, die Fünf der Woche auswählt. Aus dem ganzen Filmmaterial, das zu Hause gedreht wurde, werden kleine Clips geschnitten, die durchgesehen werden.

 

Inzwischen fragt die nette junge Dame von Constantin Entertainment, wie man mich denn typisieren könnte. Erklärung: Jede Frau wird am Anfang der Woche mit einem Hobby, einer besonderen Begabung etc. vorgestellt. Aber es soll schon etwas Ausgefallenes sein - nicht "Mit dem Hund spazieren gehen", "Lesen" oder "Kochen", schade. Tja, was mache ich ansonsten so in meiner Freizeit? Ich schlage "Bayerisches Kabarett" vor, der Mann und ich könnten in Proberaum seiner Band (danke Erwin!) ein Liedchen trällern. Die Aktion soll nämlich möglichst auch nicht zu Hause statt finden... Gut, Rücksprache mit dem Sender. Gebongt...

Normalerweise sind wir ja zu dritt, aber unser Eberhard ist ein bisschen kamerascheu, außerdem mussten wir uns schon einen ganzen Sonntag (vor der eigentlichen Drehwoche) frei halten, ihm wollten wir das nicht zumuten.

Inzwischen sind die Chefs und Kollegen eingeweiht, die alle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die Sendung gar nicht kennen. Aber ich muss ja im Fall des Falles fünf Tage plus zwei Tage Berlin frei nehmen. Die Spannung steigt. Vorsichtshalber streichen wir mal den Flur neu, hat's schon länger gebraucht ;-)

Dann der Anruf: "Ursula [man ist in dem Milieu immer automatisch per du, egal wie alt man ist], du bist dabei. Ich gratuliere dir!" Herz hüpft, muss ein paar Leute anrufen.

Es wird stressig: innerhalb von drei, vier Tagen muss man eine Excel-Tabelle mit möglichst vielen Geschäften füllen: Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer. Die Produktionsfirma muss die dann nämlich alle durchtelefonieren und fragen, ob eine Drehgenehmigung erteilt wird - oder auch nicht. Man soll sich Gedanken zu allen möglichen Themen und dazu passenden Shops machen. Puh, von manchen Läden, an denen ich oft so vorbei gegangen bin und dachte, da will ich mal rein, weiß ich nicht mal den genauen Namen, geschweige denn die Adresse. Ein kleiner Stadtbummel und Doktor Google helfen. 40 Geschäfte habe ich schließlich angegeben.

Nächster Stolperstein: ich brauche einen Friseur, der auch MakeUp macht. Meiner ist wochenlang ausgebucht und schminkt nicht. Eine Freundin empfiehlt mir ihren, ich reiche ihn nach. Großes Lob an die Mädels in München, sie sind immer nett, geduldig, und man kann sie dreimal am Tag anrufen ;-) (Hab' ich natürlich nicht gemacht.)

Wie es weiter ging? Alles bald wieder an dieser Stelle, viel Spaß beim Lesen!

Einmal und nie wieder: Erfahrungen bei Shopping Queen


Ich weiß, ich weiß, solche Beiträge gibt es schon en masse im Netz - von Kandidatinnen, die auch schon dabei waren, aber manches muss einfach raus. Das muss frau verarbeiten... Außerdem fragen mich andauernd Leute, wie ich dazu kam und wie es war, hier kann man es jetzt nachlesen, hah.


Warum ich überhaupt mitgemacht habe? Weil ich alle fünf Shopping-Queen-Folgen, die am Samstag hintereinander ausgestrahlt werden, gerne und mit großem Vergnügen beim Bügeln schaue. Während der Woche bin ich ja in der Arbeit. Und dann liebe ich natürlich die kultigen Bemerkungen von Guido…

Also habe ich mich nach einem Aufruf auf Facebook - oder war's im Fernsehen? - beworben, aus Jux und Dollerei... Schon im letzten Sommer vor der ersten Staffel in Regensburg. Man muss einen ausführlichen Bogen ausfüllen mit allerlei Fragen zum Modegeschmack, zur Shopping-Begleitung und und und... Natürlich Fotos mitschicken... Was soll ich sagen - sie haben mich angerufen. Terminlich war die Drehwoche aber dann gar nicht drin, deshalb bin ich wieder abgesprungen.

Dann vergangenen Februar kam wieder ein Anruf: "Ursula, Shopping Queen kommt wieder nach Regensburg... Wir würden dich gern dabei haben... Ruf doch zurück, falls du noch Interesse hast." hörte ich auf der Mailbox ab. Mmh... Saß im Zug und habe meiner Mama und meinem Sohn davon erzählt. "Echt, mach' doch mit, wenn man da 500 Euro zum Shoppen bekommt, das klingt doch toll..." - Also, schlecht verwackeltes Minivideo gedreht und eingeschickt. "Die nehmen mich ja sowieso nicht", dachte ich immer.

Nächster Anruf, sie seien interessiert, ich soll bitte noch Fotos von meinem Kleiderschrank, meinem Lieblingszimmer und von meinem Lieblingsoutfit schicken. Ok.

Done, neuer Anruf ein paar Tage später: "Ursula, du bist in der engeren Auswahl, ein Caster kommt zu dir..." Oh Gott, warum, Herzklopfen. Und der filmt in der Wohnung... Muss aufräumen, meinen Schrank neu ordnen, staubsaugen, putzen, Staub wischen. Stress. Langsam mal den Rest der Familie und meine wichtigsten Freundinnen einweihen. "Soll ich das machen?" frage ich den Mann tausend Mal. "Wenn du Lust drauf hast, warum nicht?" Oj joijoijoi...

Sehr netter Caster der Produktionsfirma kommt zu Besuch, macht kleine Interviews mit uns, denn der Mann geht als Shopping-Begleitung, falls... Ich zeige ihm meinen Schrank, zieh mir ein Outfit an, bin nervös... "Drei Möglichkeiten gibt es," sagt er zum Schluss: "Erstens, sie mögen dich nicht (was ich nicht glaube), zweitens, sie mögen dich, aber es gibt jemand anderen in deinem Alter etc., der ihnen besser gefällt, und drittens, sie nehmen dich."



Foto: Vox / Constantin Ent.

Zeit vergeht. Lustigerweise kommt ein Anruf von der "Küchenschlacht", hätten mich auch genommen. Wenn's läuft...

Und wie's weiter ging? Demnächst an dieser Stelle. Brauch 'ne Pause... ;-)