Donnerstag, 28. Januar 2016

Der Januar: Frauen-Bücher, Stoner, Unschuld

Der Januar soll der klassische Burnout-Monat sein, habe ich irgendwo mal gelesen. Meiner war eigentlich dieses Jahr ganz gut: viel gelesen, Urlaube gebucht, jeden zweiten Tag mit meinen DVDs trainiert (hah!), Salate erfunden und mal zwei Tage gefastet, das heißt genauer gesagt, die 5-2-Diät ausprobiert.

Aber mal der Reihe nach: die Bücher

Viel erwähnt und hoch gelobt: Stoner von John Williams (dtv): Mmh, alles in allem fand ich es sehr sehr traurig. So viel verschwendetes Leben, so vieles hat dieser Mann aus einfachsten Verhältnissen einfach so über sich ergehen lassen. Und diese Edith - seine Frau - liegt immer angeblich krank im Bett rum, er kümmert sich um alles, wirklich alles. Irgendwann erhebt sie sich, entfremdet ihm die geliebte Tochter, zerstört sein Arbeitszimmer, das sein Rückzugsort war, und er erträgt das alles stoisch. Ein paar glückliche Wochen (!) sind ihm mit seiner jungen Geliebten gegönnt, das war's. An der Uni wird er gemobbt, nur weil er integer ist... Schwerer Stoff, aber natürlich gut geschrieben und die Wiederentdeckung wert.

Jonathan Franzen: Unschuld (Rowohlt): Seit den "Korrekturen", die ich übrigens zur Vorbereitung auf den neuen Roman mit großem Vergnügen zum zweiten oder dritten Mal gelesen hatte, bin ich absoluter Franzen-Fan. "Purity" heißt sein neuester Streich auf Englisch, was viel besser passt. Das ist auch der Name der weiblichen Protagonistin, die auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater ist. Eingebettet ist das Ganze in eine komplizierte Geschichte rund um DDR-Geschichte, Mauerfall, Internet-Gurus und vielem mehr. Franzen halt: bunt, geschichtsträchtig, übertrieben, spannend, hysterisch... An die Korrekturen kommt es aber nicht ran, zu konstruiert...

Und warum funktioniert so eine Geschichte hier doch einigermaßen und in den meisten der so genannten "Frauen-Bücher" so gar nicht? Hab' geschmökert, ich geb's zu. Manchmal will man auch was "Leichtes" lesen, in dem man sich vielleicht wieder findet... Drei Beispiele
Cristina Caboni: Die Rosenfrauen (blanvalet): Nicht mehr ganz junge Frau aus eine italienischen Parfüm-Dynastie, die von lauter Frauen aufgebaut wurde, wird schwer vom Leben gebeutelt. Sie erwischt ihren Verlobten mit einer anderen in flagranti, woraufhin sie meint, ihr Leben sei vorbei. Verhältnis zu Mutter ist schlecht, Vater unbekannt. Freundin Monique - elegant, lebenslustig - ist auch mit dem falschen Mann zusammen, den sie unwiderstehlich findet (Ausschnitt: "Mein Gott, wie attraktiv er war! Monique musste sich zwingen, ihn nicht zu berühren. Sie zog das Laken höher, klammerte sich daran fest, als ob es ein Rettungsanker wäre.  (...) Plötzlich aufwallende Hitze durchströmte ihren Körper und ließ sie aufstöhnen"...). O mei, sagt man in Bayern zu sowas. Klar, die Duftsache ist nett, aber kein Klischee wird ausgelassen. Am Ende findet sie natürlich den Traumprinzen und wird schwanger. Ente gut... Das Cover ist passend, vielleicht ist die Übersetzung auch nicht gut???

Courtney Miller Santo: Das Pfirsichhaus (Heyne): Besser viel besser, obwohl es inhaltlich wieder um Ähnliches geht: nicht mehr ganz junge Frau steckt in Lebenskrise, erbt ein Haus und zieht mir ihren Cousinen, mit denen sie von Kindheit an zusammensteckt, dort ein. Es ist renovierungsbedürftig und birgt so manches Familiengeheimnis... Denn - Überraschung - auch Lizzie weiß nicht, wer ihr leiblicher Vater ist... Am Ende: Verlobung, Versöhnung, alles gut. Gut geschrieben, atmosphärisch, das Haus scheint ein Eigenleben zu haben.

Last but not least: Kate Riordan: Im Spiegel ferner Tage (Heyne): London 1932 - die 21-jährige Alice wir ungwollt schwanger und wird auf ein Gut in Gloucestershire geschickt, damit es niemand mitbekommt und die Familienehre nicht gefährdet ist. Dort erfährt sie von dem tragischen Schicksal der ehemaligen Gutsherrin Elizabeth, und sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimme Verrat... Ein richtig langer Schmöker für dunkle Winterabende und Englandfans. Alice findet natürlich Tagebücher und fängt an zu recherchieren. Es gibt viele Parallelen zu ihrem Leben. Auch sie ist von der Mutter entfremdet... Schwangerschaftsgefühle und -stimmungen, wabernde Nebel, alter Gemäuer, Dienstboten, alles da, atmosphärischt wieder dicht und spannend.

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