Donnerstag, 29. Dezember 2016

Winterlich regional: Blaukraut mit Schopperl - ein altes Familienrezept



Nach der Veröffentlichung meines letzten Beitrages (Vegan day: Kürbis aus dem Ofen, Rote-Bete-Chips, Ruccola und Avocado-Salat) bekam ich doch gleich eine Reaktion: Ich hatte es befürchtet, denn den Artikel in der ZEIT von der von mir sehr verehrten Elisabeth Raether hatte ich vorher auch schon gelesen: Avocados sind böse. Ja, weil alle – vor allem Veganer und Vegetarier – so scharf drauf sind, müssen immer mehr angebaut werden, und das auch noch ganz weit weg. Außerdem verbrauchen Avocados, beziehungsweise deren Aufzucht, sehr viel Wasser, das in den Gegenden, wo sie wachsen, eher die Menschen brauchen könnten. Oder so, ganz grob zusammen gefasst. Ganz grob. ;-)


Deshalb gibt es heute ein Rezept, das vegetarisch und trotzdem rein saisonal und regional ist: Blaukraut mir Schopperl. Jawoll. Das gab’s schon bei meiner Uroma, ist eigentliche ein Arme-Leute-Essen, macht aber satt und sehr zufrieden. Schopperl sind eine oberpfälzische Angelegenheit, Verwandte davon sind Fingernudeln oder auch Schupfnudeln - oder in Italien Gnocchi.

Das Blaukraut nennen die jenseits des Weißwurstäquators Ansässigen Rotkohl oder Rotkraut, es ist reich an Eisen, Mineralstoffen, Anthocyanen (sekundärer Pflanzenstoff, bzw. Pflanzenfarbstoff, der als Radikalfänger wirkt und zur Stärkung des Immunsystems und als Entzündungshemmer wirkt), Zucker und Senfölen. Das Blaukraut ändert seine Farbe je nach pH-Wert des Bodens: in sauren Böden erscheint er eher rot, in alkalischen Böden dagegen bläulich. Es hat wenig Kalorien, aber viele Ballaststoffe, das in hohen Dosen enthaltene Ascorbin verwandelt sich durch schonendes Erhitzen in Vitamin C. Was will man also mehr?



Und das braucht man (für 4 Personen)


Für das Blaukraut


  • einen halben Kopf Blaukraut
  • Öl zum Anbraten
  • ¼ Liter Brühe
  •  ½ Apfel, klein geschnitten
  • eine Zwiebel, mit ein paar Nelken gespickt
  • Rotwein, Balsamico, Salz und Pfeffer zum Abschmecken



Für die Schopperl:

-          800 g Kartoffeln, mehlig kochend
-          100 g Mehl (müsste auch mit Kichererbsenmehl funktionieren!)
-          1 Ei (muss nicht sein)
-          Salz, Pfeffer, Muskat
-          zum Ausbacken Butterschmalz, Pflanzenöl bevorzuge ich

Und so geht’s:


  • den Strunk aus dem Kopf herausschneiden, vierteln und in sehr dünne Scheiben schneiden.
  • In einem großen Topf Öl heiß werden lassen, darin das Kraut anbraten, mit einem Viertelliter Brühe angießen, den klein geschnittenen Apfel und eine mit Nelken gespickte Zwiebel dazu geben, Deckel drauf und mindestens eine halbe Stunde schmoren lassen.
  • Wenn alles weich ist, mit leckerem Rotwein, Balsamicoessig und reichlich Salz und Pfeffer würzen.
  • Schmeckt aufgewärmt am nächsten Tag noch besser
  • Die Kartoffeln in der Schale weich kochen, wenn sie noch heiß sind schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken, ausdampfen lassen.
  • Mehl, Salz, Muskat und das Ei darüber geben, alles mit einer Gabel locker vermischen, mit Salz, Pfeffer  und Muskat kräftig abschmecken und mit den Händen zu einem Teigbatzen formen.
  • eine Handvoll auf einem bemehlten Brett zu gut daumendicken Rollen formen und mit einem Messer in gleich große Stücke schneiden.
  • Butterschmalz oder Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Schopperl bei mittlerer Hitze goldbraun braten, dabei mehrmals wenden. Man kann sie auch mit einer Ei-/Milchmischung übergießen und im vorgeheizten Backofen schmurgeln, bis sie braun sind, goldbraun natürlich…


Bon appétit!

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