Donnerstag, 26. Januar 2017

Bücher, Bücher, Bücher: Geister, Die trinkende Frau und Schneeschippen in Kanada

Ich mag Bücher, die mindestens 600 Seiten haben, sonst bin ich so schnell durch und traurig, dass sie vorbei sind. Dieses hat 864 Seiten, und sogar ich hatte über eine Woche großen Spaß damit. Obwohl die Geschichte eigentlich gar nicht spaßig ist. In Nathan Hills Roman "Geister" (Piper) geht es nämlich um eine Mutter, die ihren elfjährigen Sohn und die Familie verlässt. Ein Jahr bereitet sie ihren "Ausstieg" vor, zweigt ein paar Bilder, Bücher und ein bisschen Geschirr ab, und eines Morgens sagt sie ihrem Sohn adieu. 

Samuel muss vorher schon immer viel weinen, er freundet sich mit dem reichen Zwillingen Bishop und Bethany an, Letztere wird die große (unerfüllte) Liebe seines Lebens. Jahre später lebt Samuel als Unidozent in Chicago, als er erfährt, dass seine Mutter einen Senator und Präsidentschaftskandidaten der Republikaner mir Kieselsteinen beworfen und in allen Nachrichtenkanälen zu sehen ist. Da er seinen Buchvertrag samt großem Vorschuss, den er nach der Veröffentlichung einer einzigen guten Kurzgeschichte erhalten hatte, nie eingehalten hat, geht er einen Handel mit dem Verlagsvertreter ein: Er soll die Geschichte seiner Mutter erzählen.

Nebenbei handelt er sich noch großen Ärger mit einer Studentin ein, die er für nicht besonders intelligent erklärt, spielt an der Uni exzessiv und unerlaubt ein Computerspiel, über das er einen Spielsüchtigen kennenlernt, der ihm widerum hilft, mehr über die Vergangenheit seiner Mutter zu erfahren... Das sind nur ein paar Handlungsstränge dieses großartigen Romans voller Geister und Politik, schrecklich, herzzerreißend und aktuell. Lesen!


Ein Buch, das ich zu Weihnachten mehrfach verschenkt habe, ist "Die trinkende Frau" der ZEIT-Kolumnistin Elisabeth Raether (Piper). Wunderschön ausgestattet, ist es schreiend komisch und bringt einen immer wieder laut zum Lachen. Raether versteht es, launig, pointiert und sinnlich zu schreiben, wie es wenige ihre Fachs noch können. Ein bisschen wie Dorothy Parker für Freizeitalkoholikerinnen. Einfach herrlich.












Und wenn einen wieder mal das Fernweh packt und der Alltag gehörig auf die Nerven geht, sollte man sich Alexander Langers Buch "Schneeschippen in Kanada - in 15 Jobs bis ans Ende der Welt" (Heyne) zu Gemüte führen. Langer (Mitte 30) war unter anderem Golfplatzwächter, Tretbootverleiher, Statist, Animateur und Besitzer einer Bar in Seoul. Und was er dabei so alles erlebt hat, ist teilweise irrwitzig, komisch und auch ein bisschen beängstigend. Wer so viel Mut hat und Jazz-Bassist wird, ohne Bass spielen zu können, der kann sich auch aus den schlimmsten Situationen herauslavieren. Da bleib ich Angsthase lieber in meinem warmen Büro und lese. Yeah...

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