Donnerstag, 23. März 2017

Vegan werden wegen Esther, dem Wunderschwein? Ein Buch-Tipp

Entdeckt habe ich Esther auf Facebook, bevor ich überhaupt wusste, wie berühmt sie auf der ganzen Welt ist. Auf einem Video wurde sie mit dem Löffel gefüttert, herzallerliebst. Ihre Eltern, die Kanadier Steve Jenkins und Derek Walter haben zusammen mit der Autorin Caprice Crane ein Buch über sie geschrieben, das jetzt auch auf Deutsch erhältlich ist (btb).

Angefangen hat alles vor ein paar Jahren mit einer E-Mail, die Steve Jenkins von einer alten Schulfreundin erhalten hat. Sie wisse ja, wie tierlieb er sei. Sie hätte ein Minischwein - oder Zwergschwein -, das sich mit ihren Hunden nicht verstehe und daher abgegeben werden müsse. Ohne sich mit seinem Lebensgefährten abzusprechen, kann er nicht widerstehen und adoptiert das kleine Ferkel, das in einem erbärmlichen Zustand ist. In dem 90-Quadrat-Meter-Haus leben übrigens außerdem noch eine weitere menschliche Mitbewohnerin, zwei Hunde und zwei Katzen.
Natürlich ist der ordnungsliebende Derek erst einmal ensetzt, kann dem Charme des kleinen Schweinchens aber auch nicht widerstehen und sie nennen es Esther.
Doch jetzt kommt der Knackpunkt an der ganzen Geschichte: Esther ist kein Minischwein, sondern ein Hausschwein, das inzwischen über 300 Kilo wiegt. Was das alles mit sich bringt, ein so riesiges Tier im Haus zu haben, das sehr verfressen, sehr schlau und nicht ganz einfach stubenrein zu bringen ist, davon handelt diese amüsante und rührende Geschichte.
Inzwischen sind ihre Herrchen auf's Land gezogen und bewirtschaften einen Gnadenhof für ausgesetzte Nutztiere. Finanziert wurde das Ganze durch ein Crowdfunding-Projekt, das dank der großen Popularität Esthers im Internet glückte. Das herzige Schwein hat nämlich einen eigene Facebookseite und im Moment über eine Million (!) Follower.
Es versteht sich von selbst, dass Steve und Derek inzwischen vegan leben, und wenn man die herzigen Fotos von Esther (einige davon sind auch als Bildteil im Buch abgedruckt) anschaut, vergeht einem auch die Lust auf Frühstücksspeck. Im Anhang gibt es als Zugabe ein paar Rezepte - ganz ohne tierische Zutaten.
Mich erfreuen in meiner Timeline jetzt täglich süße Fotos eines sehr großen Haustieres, das sein Leben mit Genuss und Freude leben darf. Um das Buch reißen sich schon einige Familienmitglieder! Tipp für alle Tierfreunde und alle, die es werden sollten.

Mittwoch, 15. März 2017

Unbequeme Bücher von Jodie Picoult und David Foenkinos

Die amerikanische Autorin Jodie Picoult ("Beim Leben meiner Schwester") ist bekannt und beliebt durch ihre spannenden Romane, die meistens ungewöhnliche Gerichtsdramen behandeln. Und in gewisser Weise könnte es in "Bis ans Ende der Geschichte" (Penguin) am Ende auch um eine Verhandlung gehen. Ob es so weit kommt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Auf vielen Erzählebenen und aus verschiedenen Sichtweisen wird eine Episode aus dem Leben einer jungen jüdischstämmigen US-amerikanischen Bäckerin namens Sage Singer erzählt. Wie man erst im Lauf der Handlung erfährt, gibt sie sich die Schuld an einem Autounfall, bei dem ihre Mutter starb und von dem sie eine entstellende Narbe im Gesicht zurück behalten hat.
In einer Trauergruppe lernt sie den über 90-jährigen Josef kennen, sie freunden sich an, und schließlich bittet er sie, ihm beim Sterben zu helfen. Es stellt sich heraus, dass er als hoher SS-Offizier in demselben KZ beschäftigt war, das Sages Großmutter Minka überlebt hat. Sage wendet sich an die Spezialabteilung des FBI, die sich um Naziverbrechen kümmert, und lernt dabei einen besonderen Mann kennen...
Nichts für schwache Nerven ist die erschütternde Geschichte der Großmutter, die dadurch endlich ans Licht kommt, so viel sei hier verraten. Ebenso gruslig ist die Erzählung über ein Menschenfresser-Monster, die Minka im KZ einem SS-Offiziert und ihren Mitgefangenen episodenweise übermittelt. Habe wirklich am Ende ein paar Tränen vergossen. Ein wichtiges Buch - gerade in der heutigen Zeit des Rechtspopulismus. Und sehr spannend noch dazu. Empfehlung!


Und auch das zweite Buch ist ungewöhnlich für den Autor. Der Franzose David Foenkinos wurde international bekannt durch seinen Liebesroman "Nathalie küsst". In "Charlotte" (Penguin) erzählt er die wahre Geschichte des kurzen Lebens der jüdischen Malerin Charlotte Salomon nach. Und das auch formal auf besondere Weise: Jeder Satz beginnt mit einer neue Zeile, das Ganze liest sich also wie ein sehr langes Gedicht. Anfangs stolpert man darüber, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Der schmale Band besticht mit einer sehr klaren poetischen Sprache, ohne Pathos wird hier ein Schicksal nachgezeichnet, das auch durch den Holocaust besiegelt wurde. Charlotte (geboren 1917) zeigt früh eine besondere Begabung für's Malen und wird trotz Restriktionen noch 1935 an der Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst in Berlin aufgenommen.
Leicht hat sie es als kleines Mädchen schon nicht, fast alle Frauen ihrer Familie mütterlicherseits begehen Selbstmord. 1939 flüchtet sie zu ihren Großeltern nach Südfrankreich, wo sich ihre Oma aus dem Fenster stürzt. Wie im Rausch malt sie danach den Zyklus „Leben? Oder Theater?“, in dem sie ihr ganzes Leben nacherzählt und den sie 1942 einem Vertrauten übergibt. In ihrem Versteck wird sie 1943 aufgespürt, sie ist schwanger und 26 Jahre alt. 1943 wird sie in einem KZ ermordet.
Ihre Bilder sind heute im „Joods Historisch Museum“ in Amsteramm ausgestellt, wo sie David Foenkinos gesehen hat. Sie haben ihn seitdem nicht mehr los gelassen, Ergebnis ist dieser Roman. Und er macht richtig Lust, sich mit dem Leben der fast vergessenen Malerin zu beschäftigen und ihre Bilder anzuschauen. Bei der nächsten Reise nach Amsterdam werde ich das sicher machen. Schrecklich und wunderbar zugleich. 

Montag, 6. März 2017

Vegetarisch und gesund, lecker natürlich auch: Rübengemüse aus dem Ofen



Winter ist Kraut- und Rübenzeit, Kraut hatten wir erst, also gibt es jetzt allerlei Rüben. Als Kind mochte ich die allseits verwendeten gelben Rüben (Karotten auf Bayerisch) überhaupt nicht. Sie wurden in Scheiben geschnitten, sehr weich gekocht, und vielleicht noch ein bisschen in Butter geschwenkt serviert. Langweilig. Wieder entdeckt wurden in den letzten Jahren außerdem so schmackhafte andere Sorten wie weiße Rüben (auch Steckrüben genannt), Pastinaken, Petersilienwurzeln und schwarzer Rettich. Um meinem Ofengemüse einen hübschen Farbklecks zu verpassen, werden außerdem rohe Rote Bete verwendet. 



Wie „furchtbar“ gesund die sind, habe ich euch ja schon ein paar Posts vorher geschildert. Rüben werden auch oft unterschätzt, was den Wellnessfaktor angeht: sie enthalten wenig Kohlenhydrate, viel Calcium, Kalium, Folsäure und verschiedene Vitamine. All diese Gemüsesorten eignen sich auch für Suppen und Pürees, aber im Ofen geschmurgelt entfalten sie meiner Meinung nach ihr intensives Eigenaroma am besten. Wer mag schnippelt noch ein paar Kartoffeln mit dazu. Mit einem Joghurt-Dip eignet sich das Ganze auch als vegetarisches Hauptgericht gut.



Und das braucht man (als Beilage für 4, Hauptgericht für 2 Personen):



  • 800 g gemischte Rüben: Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzeln, rote Bete, Steckrüben…
  • Meersalz, Pfeffer
  • Olivenöl
  • Rosmarin und Thymian (frisch oder getrocknet)

 



Und so geht’s:



  • Ofen auf 220 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.
  • Gemüse schälen, putzen und in mundgerechte Stücke schneiden.
  • Mit Olivenöl und den Gewürzen in einer großen Schüssel vermischen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen.
  • Ca. 35 Minuten backen, bis alles weich ist.

Bon appétit!